»Konrad, siehst du, daß er das Kreuz hat? – Konrad, nicht wahr, er muß brav gewesen sein, er muß treu für sein Vaterland und seinen König gestritten haben, sonst hätte der es ihm nicht gegeben – Konrad, ich habe meinen Jungen wieder!«

Auch der treue Hund schien sich dieses glücklichen Augenblickes zu freuen; er sprang unablässig an Jakob empor, der gar nicht Zeit fand, ihn zu liebkosen, denn sein Vater zog ihn jetzt ganz nahe an das Fenster, wie um ihm recht ins Gesicht schauen zu können, und dabei redete er in einem fort:

»Wenn das deine gute Mutter noch erlebt hätte! Aber sie hat's gewußt, Jakob, sie hat's gewußt, daß du nicht schlecht warst, sie hat mir's sterbend gesagt, daß du wiederkommen würdest, und nun bist du wiedergekommen, und mit Dem da!«

Er strich mit den Fingern über das eiserne Kreuz, wie liebkosend, und redete immer fort:

»Und wie er aussieht! So frisch und stattlich und männlich, so ganz anders, als wie ich ihn zuletzt gesehen habe. Aber daran wollen wir auch nicht denken – gar nicht mehr denken – nicht wahr, Konrad, nicht wahr, Flott? – Aber so rede doch, Junge, du hast ja noch kein einziges Sterbenswort gesagt, wie du herkommst und wo du zu dem Kreuze gekommen bist …«

Er drängte ihn zu dem alten Sofa, das in einer Ecke stand, und setzte sich neben ihn, und Konrad zog er auf den Stuhl an seiner andern Seite.

»So, und nun erzähle! Aber vorher, Wein her, Wein – Konrad, thu' uns den Gefallen, wenn du auch Offizier bist … schaffe Wein, denn diese Stunde muß doch gefeiert werden – ich habe meinen Jungen wieder!«

Lächelnd und mit feuchten Blicken – denn er dachte auch an seinen eigenen Vater – erhob sich Schmidt, um das Gewünschte zu versorgen, und als er wiederkam, fand er die beiden in inniger Umarmung, und Jakob war im besten Erzählen.

»Vater, vor allem eins: Napoleon ist in einer großen dreitägigen Schlacht bei Leipzig vollständig geschlagen worden, und seine Herrschaft in Deutschland ist aus. Und ich hab' mitgefochten, und das ist mein Stolz und ich werd's mein Lebtag nicht vergessen, und ich hab' brav gefochten, Vater, und dafür hab' ich mir die Gunst ausgebeten, Kurierdienst thun zu dürfen und die Siegesbotschaft nach Norden tragen zu können, zu dir! Ich wollt' der erste sein, der die Freude dir melden würde, und das, hofft' ich, sollte mir deine Liebe wiedergewinnen.«

»Die hast du, mein Junge! Gott segne dich!«