»Ich kann Sie völlig beruhigen. Der Mann ist kein Franzose, sondern ein Deutscher, ja noch mehr, er ist ein ehemaliger Lützower. Im Feldzug in Mecklenburg haben ihn die Kameraden als feige ausgestoßen, aber er heftete sich jetzt an unsere Fersen und tauchte da und dort auf, und man erzählte Unheimliches von ihm. Er soll sich anklagen, die mörderische Kugel auf unseren Körner abgeschossen zu haben – – wie dem auch sei, sein Geist ist nicht klar, nur eine Idee scheint hell in demselben zu leben, die, daß er an dem Korps etwas gut zu machen hat. Wie er hierher kommt, weiß Gott; daß er da ist, spricht aber dafür, daß er, wie er sich selbst nennt, der Schutzgeist der Lützower sein will.«

»Nun denn, in Gottes Namen, bis hierher hat er uns gut geführt, und die ganz genaue Karte, die er in meiner Hand ließ, setzt uns in den Stand, unsern Weg mit der nötigen Vorsicht auch selber weiter zu finden.«

Und vorwärts ging der Ritt über Omont und Mondigny, welche Orte geschickt umgangen wurden gegen Rouvroy, wo das Flüßchen Andry zu passieren war. Man gedachte nicht über die Brücke zu reiten, die vor dem Orte war, sondern bei einer nach der Karte etwa 600 Schritt oberhalb liegenden Furt den Übergang zu bewerkstelligen. Das Terrain war ungemein ungünstig für Reiterei, zerrissen von Schluchten, bedeckt mit Gehölz, sodaß ein freier Überblick nirgends möglich war. Die Eskadron rückte nur ganz langsam vorwärts, und Schmidt, der den Vortrab führte, spähte, soweit es möglich war, scharf aus.

Jetzt ging es ins Thal des Andry hinab durch einen Hohlweg, der in einigen Krümmungen sich wand, so daß der freie Ausblick nach vorn beinahe fortwährend verschlossen schien. Da tauchte plötzlich zur Linken auf einem Vorsprung eine Gestalt auf – Schmidt erkannte Bastian. Dieser winkte lebhaft einige Male, dann schrie er mit lauter Stimme:

»Zurück! Feinde! Ein Hinterhalt!«

Im nächsten Augenblicke schon krachten einige Schüsse, die Gestalt auf der Höhe griff mit den Händen in die Luft, that dann einen Sprung vorwärts, überschlug sich und stürzte schwer in den Hohlweg herab.

Nur eine Sekunde durchfuhr Schmidt ein Erschrecken; er kommandierte sofort den Rückzug auf die Eskadron, aber da tauchten von vorn bereits dicht gedrängt französische Nationalgarden auf, die den Hohlweg sperrten, und Kugeln sausten pfeifend heran gegen die Reiter. Aber auch die Nachrückenden hatten die Schüsse gehört und kamen nun herangesprengt.

»Hier ist nicht durchzukommen!« rief Schmidt ihnen entgegen.

»Eskadron halt! Kehrt!« kommandierte der führende Lieutenant, und so gut es in dem engen Passe gehen mochte, suchte man sich wieder nach der Seite hin, woher man gekommen war, emporzuarbeiten. Im Sturmschritt aber kamen die Franzosen hinterdrein und ihre Schüsse knatterten unaufhörlich. Und auch auf den Höhen zu beiden Seiten war es lebendig, auch von dort her blitzte es unheimlich auf, und die Lützower sahen mit Schrecken, daß sie hier in einen Hinterhalt geraten waren.

Die ermüdeten, halbverdursteten Pferde wurden zu wilder Eile gespornt, und so erreichten die Reiter endlich mit verhältnismäßig geringen Verlusten das Hochplateau und eine Straße, aber zu ihrem neuen Schrecken sahen sie eine Abteilung französische Reiter heransprengen, die ihnen den Weg zu verlegen gedachte. Hier galt es sich durchzuschlagen.