Es war eine verzweifelte Situation. Mit lautem » en avant! « jagten die Feinde auf ihren offenbar frischen Pferden heran, ihre Helme blitzten im Sonnenschein, und festgestemmt in den Bügeln, eng geschlossen erwartete sie die deutsche Eskadron. Der erste Ansturm mußte ausgehalten werden, sie durften sich nicht auseinander sprengen lassen. Schon hörte man das Schnauben der französischen Pferde, noch einige Augenblicke, dann war das Ganze ein wirrer, wilder, dunkler Knäuel, gleich einer schweren Gewitterwolke, aus der die zischenden Säbelblitze zuckten. Aber nun zog auch die Nationalgarde im Laufschritt heran, das Bajonett gefällt, um in den Kampf einzugreifen, als mit einmal aus einem seitwärts gelegenen Gehölz eine neue Reiterabteilung hervorbrach und sich mit voller Wucht auf die überraschten Gardisten warf und sie im Augenblick auseinander sprengte.
Es waren Kosaken, die unmittelbar darauf auch in das Reitergefecht eingriffen und mit ihren langen Lanzen manchen Franzmann aus dem Sattel holten. Sie waren von Chimay hergekommen, das in russischen Händen war, und kamen zu rechter Zeit. Zur selben Stunde aber zog auch von Montcornet, wo gleichfalls Kosaken lagen, eine größere Infanterieabteilung heran. Es waren preußische Uniformen, auf die der Nachmittagssonnenschein fiel, und gebräunte, trotzige Gesichter. Ein Transport von Verwundeten, die sich auf mehreren Wagen, in Stroh und Betten hineingelagert, befanden, sollte auf sicheres Gebiet geleitet werden. Da hörte man das Schießen. Der Befehlshaber der Abteilung ließ sofort halten, die Wagen seitwärts von der Straße fahren, und nachdem eine kleine Bedeckungsmannschaft dabei zurückgeblieben, rückte er mit den andern eilig vorwärts, um, wenn es notthäte, bedrängten Kameraden beizustehen.
Die französische Reiterei, die den vereinigten Lützowern und Kosaken nicht gewachsen war, blies ihre Rückzugssignale, aber sie eilte, verfolgt von den Lützowern, gerade den von Montcornet heranrückenden Preußen entgegen. Diese empfingen sie mit festgeschlossenen Gliedern. Das erste hatte sich auf ein Knie niedergelassen, das zweite legte die Flintenläufe auf die Schultern des ersten, das dritte auf jene des zweiten, und wie die Chasseurs heranjagten, dröhnte ihnen eine volle Salve entgegen, daß Pferde und Reiter sich wild und grauenhaft im Staube der Straße wälzten. Die ganze Kolonne war in Auflösung, und was noch standhalten wollte, wurde von den nachjagenden Lützowern und Kosaken vollends auseinander gesprengt.
Jetzt erst begrüßten sich die Sieger, und die brave Lützowsche Eskadron, die seit einigen Tagen aus Gefahr und Not nicht herausgekommen war, konnte endlich wieder frei aufatmen. Da sah Zander ein bekanntes Gesicht unter der preußischen Infanterie.
»Oberjäger Walther!« rief er freudig, und der Alte, dessen ehrliches, pulvergeschwärztes Antlitz vor Freude strahlte, reichte ihm die Hand aufs Pferd hinauf.
»Wo ist Konrad?« war des Försters erste Frage.
»Herrgott – Konrad! Schmidt! – Wo ist Lieutenant Schmidt?« rief Zander erregt.
»Den sah ich stürzen, Herr Oberjäger, bei der Reiterattacke; ich wollt' ihm helfen aus den Bügeln zu kommen, aber bei dem Getümmel war's unmöglich!« sagte einer der Reiter.
»Heiliger Himmel – dann lassen Sie uns suchen!«
Er spornte sein Pferd und jagte zurück, und so hastig als es nur gehen mochte, eilte der Förster und noch ein anderer junger Soldat ihm nach. Es war Elise, die neben Walther stehend jedes Wort gehört hatte, und der es mit einmal das Herz zusammenkrampfte. Sie lief dem Alten jetzt voraus, und mit den Augen der Liebe suchte sie.