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Zander war bereits vom Pferde gestiegen und hatte dessen Zügel um einen Baum geschlungen, und wo das Kampfgetümmel am dichtesten gewesen, wo Freund und Feind am meisten nebeneinander lag, begann er seine Forschungen, und sah jedem Lützower, den er hier fand, ängstlich in das bleiche Gesicht.

Da klang vom Rande eines kleinen Gehölzes her ein lauter Ruf. Dort kniete der junge Soldat, der mit Walther gekommen war, und hielt ein bleiches und blutiges Gesicht in den Händen. Als Zander herankam, hörte er die Worte:

»Konrad, lieber, lieber Konrad – thu' die Augen auf – ich bin's ja – ich!« und in heißer Erregung küßte der junge Soldat die Lippen des wunden Mannes.

Der Lützower stand einen Augenblick starr, dann trat er dicht heran:

»Um Gottes willen, Sie – Fräulein Wendler?«

Elise hob das Gesicht empor, und die Thränen liefen ihr über die Wangen:

»Ja, Herr Zander – aber nun fragen Sie nicht – kommen Sie, ihm zu helfen!«

Jetzt war auch Walther zur Stelle und kniete an des Verwundeten Seite. Dem rann das Blut aus dem Arme und von der Stirn, der Alte aber überzeugte sich bald, daß die Kopfwunde eine ganz unbedeutende war, und daß vor allem der Blutverlust aus dem Arme den Verwundeten des Bewußtseins beraubt hatte. Er verband ihn mit Hilfe der Freunde, und Elise war wieder das starke, thatkräftige Weib, das mit geschickter Hand zugriff. Walther und Zander aber hoben Konrad auf und trugen ihn vorsichtig nach dem Lagerplatz des Verwundeten-Transports; gesenkten Hauptes ging sie zur Seite und hielt Schmidts herabhängende Hand. Keines sprach ein Wort, der Förster aber wußte, was jetzt in der Seele des Mädchens vorging.

Am Ziele angelangt, wurde Konrad auf weichen Waldgrund gebettet, und ein Arzt der Sanitätskolonne untersuchte ihm die Wunden. Im linken Arme saß ein Säbelhieb, der freilich bis auf den Knochen hindurch geschnitten und diesen selbst noch gesplittert hatte, aber eine Gefahr war für den Wunden nicht vorhanden. Da atmete Elise auf, ergriff innig des Arztes Hand und sagte herzlich: