»Ich danke Ihnen!«
Der Mann schaute sie beinahe befremdet an und fragte:
»Er geht Sie wohl nahe an?«
»Ich bin seine Braut,« erwiderte sie mit heißem Erröten, und während sie wieder um den Verwundeten sich bemühte, erzählte Walther den andern flüchtig und kurz die näheren Umstände und bat zugleich, ihr Geheimnis zu ehren, wie er es bisher gethan habe.
»Das ist nicht nötig, denn von heute an bin ich wieder Weib und weiß, wohin ich gehöre – an sein Schmerzenslager!« sagte sie, und in diesem Augenblicke schlug Schmidt die Augen auf. Er sah in das über sich geneigte Gesicht, das aus der dunkeln Uniform herausschaute, und wußte offenbar nicht, ob er träume oder wache.
Da scholl es an sein Ohr: »Konrad!« mit einem Klang, der keine Täuschung war. Er wollte sich aufrichten, aber mit einem Stöhnen sank er zurück, und der rasch herzutretende Arzt bat dringend, daß er sich nicht errege. Da sprach er nur zweimal ihren Namen, aber aus seinen Augen leuchtete eine Fülle des Glücks.
Nun bettete man ihn auf einen der Wagen, neben Jakob, dem das Bein abgenommen worden war und der, erschöpft von Blutverlust, in tiefem Schlafe lag. Zwischen die beiden hinein aber setzte sich Elise. Sie hatte Walther gebeten, daß er dem kommandierenden Offizier die nötigen Mitteilungen mache und um seine Diskretion bitte, und nun entfaltete sie die ganze Sorgfalt des Weibes in der Pflege der beiden Verwundeten.
Die Transportkolonne aber, begleitet von den Lützowern und den Kosaken, wendete sich gegen Chimay, das man ungefährdet erreichte. Das insurgierte Ardennendepartement lag hinter den gehetzten Reitern, und die Lützower Eskadron vereinigte sich in Verviers mit ihren Kameraden, die der Major selbst unter ähnlichen Gefahren und Beschwerden hierher geführt hatte. Unter denen, die in diesem Streifzuge das Leben verloren, war auch der herrliche Friesen.
In einem Hospital an der deutschen Grenze finden wir in der ersten Hälfte des April unsere Freunde wieder. Mildes Sonnenlicht webt seine lichten Schleier durch den einfachen aber freundlichen Raum, in welchem sich durchaus Rekonvaleszenten befinden. An einem Fenster in bequemem Stuhle lehnt Konrad Schmidt, der vor kurzem erst das Lager verlassen durfte, den linken Arm in der Binde, eine nahezu verharschte Narbe auf der Stirn, aber die Augen in dem bleichen Gesichte strahlen, und sie ruhen mit inniger Hingabe auf der lieblichen Mädchengestalt, die ihm gegenüber sitzt. Immer wieder finden sich beider Hände, und die Lippen haben sich viel zu erzählen.
In einer andern Ecke des Gemaches aber liegt auf seinem Lager Jakob Walther. Das verlorene Bein ist ihm ersetzt worden durch ein hölzernes, und er hat noch immer Schmerzen, so daß er das Lager wenig verläßt, aber auch sein Gesicht zeigt ein sonniges Behagen. Auch er hat eine Pflegerin gefunden, wie er sie besser sich nicht wünschte, und sie saß auch jetzt an seiner Seite, und da er frägt: