»Und du hast nun alles Schlimme und Schlechte vergessen, Käthe, und machst dir auch nichts daraus, daß dein Mann ein Krüppel ist?« da nickte sie, lächelnd unter Thränen, und hielt seine Hand.

Es war des Gärtners Häußer Tochter, die ehedem Zander und Körner gepflegt hatte, und die auch ihren Teil von Vaterlandsliebe bekunden wollte und mit ihres Vaters Genehmigung zu den freiwilligen Krankenpflegerinnen gegangen war. Hier fand sie den Burschen wieder – und anders, als er ihr in der Erinnerung gewesen war, und daß er sein Bein fürs Vaterland gegeben, das machte sie ihm rasch geneigt, ebenso wie sein eisernes Kreuz sie selbst mit Stolz erfüllte.

Und der sonnige Tag brachte noch eine angenehme Überraschung. Draußen vor dem Hospitale fuhr ein Wagen vor, und zwei Männer stiegen aus. Die beiden jungen Menschen am Fenster sahen es.

»Mein Vater!« rief Elise, und sprang auf.

»Der Gärtner Häußer!« sagte Konrad Schmidt, und sein Blick streifte nach dem andern Paare hinüber.

Die beiden Männer kamen in der That, um nach ihren Kindern zu sehen, und das allseitige Wiederfinden war ein ergreifendes.

»Kinder, wir bringen den Frieden!« sagte Dr. Wendler nach den ersten Begrüßungen. »Der Mann des Jahrhunderts ist abgethan; am 11. April hat Napoleon zu Fontainebleau für sich und seine Erben auf die Krone Frankreichs verzichtet und wird Fürst von der kleinen Fischerinsel Elba.«

Er hatte es laut gesprochen, daß alle Anwesenden es vernehmen konnten, und die Männer, welche ihr Blut für das Vaterland gegeben hatten, standen und lagen mit feuchtschimmernden Augen und drückten sich wohl auch, soweit sie sich erreichen konnten, die Hände; als aber Jakob Walther laut rief:

»Hurra, Viktoria!«, da riefen es alle in aufjauchzender Begeisterung nach. Und während es wie heilige Schauer den Raum der Krankheit durchwehte, legte Dr. Wendler wie zu stillem Segen die Hände Konrads und Elisens zusammen und hielt die beiden verschlungenen stumm in den seinen. An anderer Stelle aber wischte sich der wackere Häußer etwas Nasses aus den Augen und sagte:

»Gott hat's gut gemacht … und meinen Segen habt ihr. Besser mit einem Bein in Ehren, als mit gesundem Leib und in Schande. Das eiserne Kreuz aber bleibt der schönste Besitz in unserm Hause.«