Da sah er Bastian. Er drängte auf ihn zu und reichte ihm beide Hände hin.
»Laß allen Groll begraben sein, Bastian, er ist zu klein für diese Zeit; wir wollen ehrliche Kameraden sein!«
Der Andere, überwältigt von dem Augenblicke, gab ihm stumm seine Rechte, aber sein Auge blickte dabei nicht frei dem Kampfgenossen in's Gesicht …
Am andern Morgen erfolgte der Ausmarsch gegen Sachsen. Leuchtend war die Sonne über dem Zobtenberge aufgegangen und spiegelte sich in den Waffen. Die Signalhörner bliesen, die Jäger stimmten ein frisches Marschlied an, die Pferde wieherten dem Morgen entgegen, und so ging es hinein in die sonnige Welt zu fröhlichem Reiten und Streiten und, wenn es galt, zum Heldentode.
Dekoration
Drittes Kapitel.
Ein teures Opfer.
In Leipzig herrschte ein ungewöhnlich reges Leben und Treiben. Am 17. April waren die Lützower eingezogen, und überall sah man die ernsten dunklen Uniformen, aus denen meist junge, frische Gesichter hervorleuchteten. Die Herzen der Bevölkerung schlugen ihnen entgegen, denn wenn auch der Landesherr, zumeist durch die Verhältnisse gezwungen, der Bundesgenosse Frankreichs war, man fühlte hier allenthalben deutsch, und sehnte sich wie nur irgendwo danach, das Joch der verhaßten Fremdherrschaft abzuschütteln. Darum hatte man Lützow und die Seinen freundlich und gastlich aufgenommen, und es erfolgten bald zahlreiche Meldungen zum Eintritt in das Freikorps. Dasselbe hatte bereits in Dresden – meist Dank den Bemühungen des unermüdlichen Körner – einen Zuwachs von 500 Mann erhalten, und nach Leipzig brachte der Rittmeister a. D. von Bismarck eine Eskadron Husaren, die er in der Altmark gesammelt hatte.
An einem freundlichen Nachmittage war es im »Rosenthal« ganz besonders belebt. Vor einem Kaffeehause saßen im milden Frühlingssonnenschein an den Tischen Leipziger Bürger mit ihren Familien, Studenten, und zwischen drin Lützower Jäger und Reiter.
Von dem langen Tische, welchen die Studenten besetzt hatten, klang fröhliches Gelächter, Gesang und Gläserklingen. Dort saß unter Andern auch Bastian in wilder Ausgelassenheit und schien seiner Neigung zum Trunke mehr als gut war nachzugeben, denn sein Gesicht glühte, und die Augen glänzten in unschönem Feuer, und sein rohes Lachen klang aus dem andern hervor.
An einem andern Tische saßen Konrad Schmidt und Zander mit ihrem alten Freunde Walther. Dieser war, seitdem durch Zuwachs von gelernten Büchsenschützen in Bautzen und Dresden ein zweites Jäger-Detachement unter Lieutenant Burow gebildet worden war, Oberjäger in demselben und trug zum Zeichen dessen die silberne Tresse über der Achselklappe.