»Das bin ich nicht. Ich bin ein Reiter vom Lützowschen Korps und kann den Burschen nicht brauchen. Laßt ihn laufen mit seiner Prügel und mit seiner Schande und ruft ihm ein Pfui! hinterdrein, daß ein deutscher Bursche heute seine Kraft nicht anders als zu solcher Schlechtigkeit verwendet.«
Die drei andern sahen alle nach dem jungen Manne, der hochaufgerichtet dastand und mit von dem Ringkampf noch bewegter Stimme redete; dann sagte der Bauer:
»Ihr habt Recht, Herr … aber laufen lasse ich ihn nicht, nicht jetzt, denn er ginge doch hin und verriete Euch an die Franzosen, die wir nah' genug haben. Georg« – sprach er zu seinem Sohn – »wir sperren ihn in den Keller bis morgen – dann mag er laufen, der Hund. – Ihr aber, Herr, nehmt einen Bissen und Trunk!«
Die zwei Männer zerrten den wundgeschlagenen Menschen fort, Konrad folgte. Im Flur des Hauses brannte ein Lämpchen, dort sah er dem Frevler ins Gesicht. Es war das eines jungen Burschen, um dessen erhitztes und verzerrtes Antlitz kurz geschorenes dunkles Haar sich schmiegte, und der mit finstern, bösen und trotzigen Augen den Lützower ansah. Binnen kurzem war er im Keller untergebracht, und der Bauer war zurückgekehrt.
»Es war mein Knecht, den ich heute wegen seiner Faulheit und seines widerborstigen Wesens entlassen habe,« sagte er wie zum Verständnis der ganzen Sache, dann lud er Konrad ein, in die Stube zu treten, aus welcher eben sein Weib kam. Konrad dankte.
»Ihr seid ein wackrer Mann und habt ein deutsches Herz, das ist mir klar geworden – ich darf Euch trauen. Draußen vor dem Orte hab' ich noch einen Kameraden mit unsern Pferden, wir brauchen kurze Rast – sind wir hier sicher?«
»Ganz sicher nicht, Herr! Denn seht, das Rittergut gehört dem französischen General Sebastiani, und wenn er auch selber nicht da ist, einige von dem verdammten Schmeißzeug sind immer da, und wenn sie Euch hier witterten, könnt's bös werden, denn wir könnten nicht einmal helfen; uns sind die Hände gebunden, wenn wir nicht wollen, daß sie uns den roten Hahn aufs Dach werfen. Darf Euch doch kaum im Hause hier Jemand sehen, denn heutzutage kann man beinah Keinem mehr trauen.«
Ein kleiner Junge von etwa 12 Jahren war herangetreten, sah verwundert den fremden Soldaten an und tastete jetzt zutraulich nach seinen Waffen.
»Mein Jüngster, Herr – der wird gut. Was willst, Hannes?«
»Vater, 's sind zwei Chasseurs auf dem Gutshof – sonst keiner, die Gendarmen sind fortgeritten nach Hadmersleben.«