Über Konrad kam eine plötzliche Erregung.
»Ist das gewiß, Kleiner? – Nur zwei sind da? Und ist das Hofgut zugänglich?«
»Was habt Ihr vor?« fragte der Bauer.
»Wir wollen die Chasseurs aufheben; vielleicht findet sich auch sonst noch etwas für uns.«
Die Augen des Jungen blitzten; er rief:
»O das thut! – Ich gehe und halte Euch das Hofthor offen und sag' Euch, wo Ihr sie findet!«
Er wollte fort, aber die andern hielten ihn zurück.
»Noch nicht, Hannes!« sprach der Bauer, und legte ihm wie mit väterlichem Stolze die Hand auf den Kopf. »Ihr müßt mit Euerm Kameraden erst ein wenig rasten, die Franzosen entwischen Euch später erst recht nicht.«
Konrad war einverstanden, und nach kurzer Zeit hatte er Zander, der seinetwegen schon in Besorgnis gewesen war, herbeigeholt und beide erquickten sich an Speise und Trank, indes auch ihre Pferde ein gutes Futter erhielten. Aber sie hatten keine Ruhe, und nach einer Stunde etwa drängten sie zum Aufbruch. Sie wollten zu Fuß sich nach dem Hofe begeben, sich dort der Leute und der Pferde bemächtigen, und dann zu ihren Rossen zurückkehren, die man am Gartenzaun ihnen anbinden sollte.
Hannes war bereits vorausgeeilt, und als sie in die Nähe des Hofes kamen, sprang er ihnen entgegen und meldete, die beiden Franzosen säßen in einem Zimmer im Erdgeschoß beim Wein, und nur die alte Wirtschafterin ginge bei ihnen ab und zu; sie seien wohl auch nicht mehr nüchtern. Geräuschlos betraten die Lützower den Flur und hörten jetzt das laute Sprechen und Lachen der Chasseurs. In diesem Augenblicke erschien die alte Dienerin und mit einem Aufschrei des Schreckens taumelte sie gegen die Wand. In der nächsten Sekunde öffnete sich eine Thüre, und ein weinrotes Gesicht, das aus einem Uniformkragen herausschaute, zeigte sich. Aber wie erstarrt waren im folgenden Momente die Augen in demselben, als sie die beiden deutschen Reiter sahen; doch ehe aus der gepreßten Kehle noch ein Laut hervorkam, war schon Zander vorgesprungen, hatte die Thür aufgestoßen, so daß der Franzose zurücktaumelte, und hielt ihm sein Pistol entgegen. In der nächsten Sekunde war Schmidt an seiner Seite, und in französischer Sprache rief er den beiden zu, sich zu ergeben.