»Verzeihung! – Konrad, es sind Chasseurs im Dorfe, auf dem Gutshofe!«
Die drei an dem Tische waren aufgesprungen, und mit raschem Griffe hatte Konrad seine Waffe an sich gerissen und den Tschako aufgesetzt.
»Hätten wir nur unsere Pferde!« rief er unmutig und wollte hinausstürzen, aber die andern hielten ihn zurück.
»Es sind ihrer zu viele,« sprach Zander, und während die Mutter besorgt und ängstlich die Hand auf den Arm des Sohnes legte, fand der Pfarrer seine Ruhe.
»Hier bleibt nichts übrig, als sich zu verbergen, und ich denke, im Pfarrhause seid ihr am sichersten. Hier suchen sie euch nicht, und wenn ihr auch gesehen worden seid, hier ist kein Verräter im Dorfe. Die Reiter fouragieren wohl auch nur und ziehen dann weiter – darum nur ruhig' Blut!«
Den beiden Lützowern war es unbehaglich, sich verbergen zu sollen, aber sie erkannten auch, daß dies unter solchen Umständen das Beste sei, und nun ward beraten, wo man sie am sichersten unterbringen könne. Der Vater war für ein Kellerversteck, die Mutter für die Räucherkammer, aber wenn die Franzosen wirklich in das Haus selbst gerieten, dann waren diese beiden Orte erfahrungsmäßig die ersten, welche man durchsuchte. Da machte der Pfarrer den Vorschlag, sie sollten Kleider von dem Knechte anziehen, und dieser, der ganz zuverlässig war, sollte ihre Uniformen im Stalle oder an einem andern geeigneten Orte verbergen.
Der Knecht war ein braver, treuer Mensch und mit Feuereifer bei der Sache. Er wußte im Stalle ein kleines Versteck, und wenn das mit Stroh und Mist bedeckt würde, mochten die Franzosen umsonst die Uniformen suchen; die beiden aber sollten sich für Freunde des Knechts ausgeben, die gekommen wären, ihn zu einer Hochzeit einzuladen. Der Bursche hatte auch Überlegung genug, die Vorder- und Hinterthür des Hauses zu verriegeln, indes die beiden in einer kleinen Kammer im Erdgeschoß ihre Umwandlung vornahmen. Sie kamen indes dabei nicht weit, denn kaum hatten sie die Röcke abgelegt, als auch der Knecht erschien mit dem Schreckensrufe:
»Sie sind da! Gebt schnell eure Röcke und zieht meine Jacken an!«
Dabei riß er die Uniformstücke an sich und eilte mit denselben wie mit den Waffen fort … er wußte freilich in diesem Augenblicke nicht recht, wohin, aber er eilte die Treppe hinauf nach den Bodenräumen. Indes donnerten fast gleichzeitig die Schläge der Franzosen an die Vorder- und Hinterthür.
»Nach der Räucherkammer!« rief die Mutter entsetzt noch den beiden zu, indes der Pfarrer, mühsam seine Aufregung bekämpfend, die Eingangsthür öffnete und den Chasseurs entgegentrat.