Zander suchte den Freund mit sich fortzuziehen, die Treppe hinauf, aber schon auf den untersten Stufen blieb derselbe stehen, um zu lauschen. Er hörte die Stimme eines Franzosen:

»Hier sind preußische Soldaten, gebt sie heraus!«

Der Pfarrer erwiderte ruhig:

»Hier sind keine preußischen Soldaten!«

»Das werden wir sehen! Allons! Wir werden das Haus durchsuchen.«

»Um Gotteswillen komm!« flüsterte Zander – »wir holen unsere Waffen, und findet man uns, so verkaufen wir uns teuer!«

Aber Konrad horchte weiter; das war die Stimme seiner Mutter.

»Ich habe einen kranken Sohn im Hause – jede Erregung, jede Störung kann ihm den Tod bringen …«

Konrad ward es seltsam zu Mute; seine Mutter, die jede Unwahrheit wie die Pest verabscheute, ließ sich zu einer solchen herbei, um ihn zu retten – welche furchtbare Überwindung mußte sie dies gekostet haben … und doch wie ungeschickt war sie im Lügen! Als ob ein solches Wort die Franzosen abhalten könnte!

»Wir werden mit aller Rücksicht suchen« – sprach der Chasseur mit einer ironisch klingenden Höflichkeit, und was jetzt geschah, vermochte Konrad nicht zu sehen. Er sah nicht, wie seine Mutter in unüberlegtem und thörichtem Widerstande die Arme vor der Thür ausbreitete, und wie der Vater, der wohl die Absicht seines Weibes erkannte, den beiden wenigstens Zeit zum Umkleiden zu verschaffen, sich vergebens bemühte, ihr durch Zeichen und Zuflüstern kundzuthun, wie sie mit ihrem Gebahren mehr schade als nütze – er hörte nur die Worte der Frau: