Der andere lächelte:

»Wie, Körner – dich überkommt ein Bangen? Dich, den nie Verzagten? Ich meine nicht, daß du abergläubisch bist.«

»Es kommen doch Augenblicke, da man sich wie hellsehend fühlt, und ich habe eben einen solchen gehabt. Vorbei!«

Er gab seinem Pferde einen leichten Druck und sprengte an die Seite des Majors von Lützow, Konrad aber konnte gleichfalls jetzt ein Unbehagen nicht unterdrücken.

Gegen Abend kam man in das Dorf Kitzen, etwa 4 Stunden vor Leipzig. Auf dem Gutshofe stand der Amtmann, um Lützow zu begrüßen, und berichtete von zahlreichen feindlichen Truppen, die in der Nähe wären. Dabei erzählte er auch mit Schauder und Ingrimm, wie in seiner eigenen Stube zwei verwundete preußische Offiziere von den Franzosen im Schlafe erschossen worden wären, und die Hörer überkam ein heißer, heiliger Zorn.

Vor Kitzen war das Biwak aufgeschlagen worden; die Pferde waren abgesattelt, die Mannschaften lagerten, und der Friede eines freundlichen Frühlingsabends schien sich über Natur und Menschen niedersenken zu wollen. Die Wachtfeuer waren angezündet und an einem derselben saßen Konrad und Zander, zu welchen sich Friesen und Körner gesellten. Das Gespräch, das sonst so heiter hin- und herging, wollte heute nicht recht in Fluß kommen, jedem lag dieser Rückzug schwer auf der Seele und in den Gliedern, und zuletzt wurden sie ganz stumm, nur Zander pfiff halblaut eine alte Studentenweise.

Schmidt hatte hinausgeblickt auf das weite, abendstille Gelände und eben wieder an seinen einsamen Vater gedacht, da bemerkte er eine Staubwolke in der Ferne. Er machte die andern darauf aufmerksam, und Körner sprang auf, um dem Major davon Meldung zu machen. Eben als er bei diesem anlangte, traf eine Ordonnanz ein von der andern Seite des Dorfes her und meldete, daß auch von dieser Seite eine größere Truppenbewegung sich bemerkbar mache. Dem Major mußte das auffällig erscheinen, und er hatte den Eindruck, als ob man ihn zu einer Überschreitung des Waffenstillstands reizen wolle. Sofort gab er dem Rittmeister von Bornstaedt die Weisung, die Eskadronen aufsitzen zu lassen und sie gegen Altranstädt zu führen, während Körner an Schmidt den Befehl brachte, daß dieser den von Westen heranrückenden Truppen entgegenreiten und ihre Absicht erkunden sollte.

Alles geriet in lebhafte Bewegung, und während sich die Eskadronen marschmäßig reihten, sprengte Konrad fort. Aus der Staubwolke, die er bemerkt, lösten sich jetzt Abteilungen von Kavallerie und Infanterie, teils Franzosen, teils Württemberger; er hatte den Säbel in der Scheide und schwenkte sein weißes Tuch, traf auch bald auf einen Parlamentär, welcher mit dem Major von Lützow selbst sprechen wollte.

Er überbrachte diesem das Ersuchen des französischen Generals Fournier und des württembergischen Generals von Normann, sie zum Zweck einer Unterredung aufzusuchen. Lützow ritt, von Körner und Schmidt wie von zwei Trompetern begleitet, der feindlichen Kavallerie entgegen, die indes ziemlich nahe gekommen war. Seitwärts der Straße war sie auf den Wiesen in zwei Treffen aufmarschiert. Bei dem ersten traf Lützow den General von Normann und forderte ihn auf, doch während der Verhandlungen den Weitermarsch einzustellen, aber er erhielt die Antwort, er habe Befehl vorzugehen und das Dorf zu besetzen.

Unmutig und erbittert ritt der Major weiter mit seinen Begleitern, zwischen der feindlichen Kavallerie und an den Reihen des Fußvolks und an den Geschützen vorüber, bis er hinter den letzten Bagagewagen auf den General Fournier traf. Er stellte sich ihm vor und sprach die Hoffnung aus, daß, da er mit seinem Korps in jeder Weise den Bestimmungen des Waffenstillstandes gerecht geworden sei, man ihn auch ungehindert werde die Elbe passieren lassen. Er schloß mit den Worten: