»Es ist Waffenstillstand!« Aber ihm ward die Antwort:

»Werft die Waffen weg und herunter von den Pferden!«

Schon im nächsten Augenblicke wurde ihm von einem Säbelhieb der Tschako vom Kopfe geschlagen, aber nun hieb auch er in blinder Wut um sich und bahnte sich mit einer Anzahl seiner Gefährten eine Gasse. Seitwärts der Straße sah er Lützower Ulanen im Kampfe mit französischen Dragonern. Einen Augenblick schien es ihm, als tauche im Getümmel die Gestalt des Majors von Lützow auf, und das genügte ihm, sich dahin zu wenden. Da hörte er auch Körners Zuruf: »Hierher, Lützower!« und gleich darauf war er aufs neue mitten im Gewühl.

Es war in der That Lützow, der hier eingekeilt in drangvoller Enge sich heldenhaft wehrte gegen die Übermacht. Gegen ihn wandte sich der ganze Ansturm, und man suchte lebend seiner habhaft zu werden. Als die Dragoner erst an ihn herangekommen waren, hingen sie sich auch überall an ihm fest und zerrten und rissen, so daß er zuletzt vom Pferde stürzte, und jetzt hob der Drang erst recht an. Ein kleines Häuflein Husaren mit Theodor Körner hielt mit verzweiflungsvoller Wut hier stand, eine Schar Ulanen eilte zur Unterstützung heran, und nun brach auch Schmidt mit einigen Kampfgenossen, die unbewußt sich ihm angeschlossen, den französischen Reitern in den Rücken. Jetzt ward Luft geschafft, Lützow vermochte sich aufzuraffen und in das nächste Gehöft zurückzuziehen, während seine braven Genossen ihm den Weg deckten und sich weiter mit den Dragonern herumschlugen.

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Nun hörte man durch den sinkenden Abend überall Kampfesruf und Schwerterklirren, Trompeten- und Hornsignale, Wiehern und Stöhnen von Pferden und knatternde Flintenschüsse. Vereinzelt, in kleinen Gruppen suchten die braven Reiter durchzubrechen, aber manch einer stürzte, von Säbelhieben getroffen, vom Pferde, manch anderer sah keinen Ausweg und ergab sich. Es war ein schwerer Unglückstag für das wackere Korps.

Lützow hielt es nicht in dem Gehöft, in das er geflüchtet. Ohne Pferd, den Säbel in der Faust, eilte er wieder hinaus, um, wenn irgend möglich, das Gefecht zum Stehen zu bringen. Befehlend, mahnend, zornig und bittend klang seine Stimme, umsonst – die Verwirrung war zu höchst gestiegen, die Auflösung eine allgemeine, und so sah er sich genötigt, durch die Gärten nach dem Dorfe zurückzueilen, wo ein schlichter Husar, namens Gebhardt, ein braver Kerl, ihm sein eigenes Pferd aufnötigte, damit er sich für König und Vaterland rette. Mit blutendem Herzen sprengte der Major von dannen und entrann mit einer kleinen Schar von 21 Mann glücklich über die Saale.

Das ganze Korps war auseinander gesprengt.

Konrad war Seite an Seite mit Körner geritten. Die Aufforderung zur Ergebung war immer wieder an ihr Ohr gedrungen, aber ihre Antwort war ein kräftiges Dreinschlagen und das Bestreben, das freie Feld zu gewinnen. Körner war bereits verwundet, aber er hielt sich brav im Sattel. Jetzt traf ihn ein zweiter Hieb, daß er wankte, und Schmidt, der es bemerkt hatte, riß, unbekümmert um jede eigene Gefahr, das Pferd des Genossen am Zügel fort in rasender Eile. Schüsse krachten, sein eigener Brauner bäumte, so daß er das Roß Körners loslassen mußte, das jetzt mit seinem Reiter wild in die einsinkende Dunkelheit hinaussprengte.

Unmittelbar hinter ihm war ein neues Gefecht entbrannt, eine kleine Zahl versprengter freiwilliger Jäger war auf die vorstürmenden Franzosen geraten, aber Schmidt vermochte sein scheu gewordenes Pferd nicht zu halten, das wie in dämonischer Hast ihn forttrug aus dem verhallenden Gewühl, bis es mit einem Male plötzlich zusammenbrach.