Der Reiter kam glücklich genug zu Fall und vermochte sich sogleich wieder aufzuraffen. Er erkannte, daß sein braves Tier, das in Zuckungen um sich schlug, von einer Kugel getroffen und am Verenden war, aber so bitter er das empfand, er mußte es im Stiche lassen. Jetzt aber fühlte er auch erst die furchtbare Müdigkeit in den Gliedern, trotzdem schlich er weiter, um vielleicht doch eine geschützte Stelle zu erreichen. Durch die Dunkelheit sah er einen Lichtschimmer, der mußte aus dem Dorfe Groß-Zschocher kommen, und dahin beschloß er sich zu wenden, um sich einigermaßen zu erquicken.
Das Dorf war still, als er hinter demselben herkam, ein Hund schlug in der Ferne an, sonst war keine Spur eines lebenden Wesens. Da trat aus der Dämmerung einer Gartenhecke ein Mann in ländlicher Tracht. Konrad erschrak nur einen Augenblick, dann redete er ihn an und bat um Unterkommen für die Nacht.
»Ihr seid ein Lützower Reiter?« fragte der Mann.
»Ja, und bin versprengt vom Korps, das bei Kitzen verräterisch überfallen wurde.«
Der andere that einen halblauten zornigen Ruf, dann sprach er:
»Kommt, Ihr seid unter meinem Dache sicher; ich bin der Gärtner Häußer. – Freilich müßt Ihr vorsichtig sein; ich hab' einen neuen Gehilfen, dem trau ich nicht recht, und vor dem muß ich Euch verbergen. Ich bring' Euch heimlich in ein Dachstüblein, dort mögt Ihr ruhen und Euch erlaben, und wenn's nicht anders ist, morgen in Bauerkleidern weiterziehen, denn die Franzosen werden wohl auf die Versprengten jagen. Kommt!«
Der brave Mann führte ihn durch eine Hinterthür in sein Haus und in ein freundlich Stübchen; seine Tochter, ein frisches Mädchen von etwa 19 Jahren, die er ins Geheimnis zog, sorgte für Speis' und Trank, und bald lag der Ermüdete in tiefem, ruhigem Schlafe.
Als er erwachte, schien die Sonne in seine Kammer und weckte ihn auf; er erhob sich, zog die bäuerlichen Kleider an, die vor seinem Bette lagen, und trat ans Fenster. Unter ihm lag der Garten im vollen Frühlingsschmuck mit grünen Bäumen, blühendem Gesträuch und farbenleuchtenden Blumenbeeten, und drinnen hantierte ein Bursche, der eben jetzt, auf den Spaten sich stützend, ein Scherzwort der Gärtnerstochter zurief, die vorüberging. Sie hatte offenbar keine Neigung, sich weiter mit ihm einzulassen, sondern schritt ohne Antwort fort; Konrad aber erschrak, als er das Gesicht des Burschen sah: das war der Baumfrevler aus der Altmark.
Ein unbehagliches Gefühl beschlich ihn, und er trat vom Fenster zurück; der Mensch konnte diesem Hause und ihm selber nur Unheil bringen, und er wollte seinen redlichen Wirt vor ihm warnen. Häußer kam auch bald, und er wurde voll Unmut bei der Erzählung seines Gastes.
»Ich habe von vornherein kein rechtes Vertrauen zu dem Burschen gehabt,« sagte er; »es ist aber schwer, jetzt einen Gehilfen zu bekommen, denn alles junge Volk steht in den Waffen. Wenn jedoch einer, der jung und gesund ist, dabei fehlt, da hat's wohl einen Haken. Der Jakob hats auf meine Lene abgesehen – aber da mag er die Finger davon lassen! Auf die Hände will ich ihm schon sehen, und sobald es geht, muß er aus dem Hause … Ihr seht übrigens gut aus in dem bäuerlichen Anzug, und ich denke, er schützt Euch.«