»Lene – du weißt, wie ich dir gut bin! Weiche mir nicht aus – ich möcht' ein ordentlicher Mensch werden und hab' das Wandern satt. Werd' mein Weib – dein Vater braucht einen Schwiegersohn …«
Das Mädchen machte eine abwehrende Bewegung und wandte sich zum Gehen; er hielt sie an der Rockfalte zurück, und seine Stimme wurde noch erregter:
»Laß dir eins noch sagen: Ihr habt zwei Lützower im Haus, dein Vater muß dafür büßen, wenn es rauskommt … Lene, mach' mich nicht schlecht … wenn du mich abweisest, geh' ich nach Leipzig und sage, was ich weiß, dem Herzog von Padua.«
Lene wandte sich herum – ihr Gesicht glühte, und schon wollte sie dem Burschen das Wort »Schurke« in das Gesicht werfen, als sie eines andern sich besann. Sie atmete tief und sprach mit zitternder Stimme:
»Jakob, das wirst du nicht – wenn ich nicht allen Glauben an den guten Kern in dir verlieren soll. – Sieh, ist's denn jetzt Zeit zum Freien, wenn das Vaterland in Not ist? – Laß uns wieder von solchem reden, wenn die Zeit besser geworden, und wenn ich gesehen habe, daß du ein braver Bursche bist!«
In dem jungen Menschen schienen der gute und der böse Engel um die Seele zu streiten; endlich nahm er die Hand, welche Lene ihm hingereicht, und sagte:
»Gut – ich warte!«
Das Mädchen aber huschte durchs Gesträuch davon. Sie suchte erregt den Vater und berichtete ihm alles. Dieser war empört über den frechen Burschen, und zugleich besorgt um seine beiden Gäste, denn er traute Jakob nicht. Darum hielt er noch am Abend mit den Lützowern Rücksprache, und Konrad machte den Vorschlag, er wolle am andern Morgen als Gärtnerbursche nach Leipzig gehen zu Dr. Wendler und sehen, ob dieser etwas für den Verwundeten thun könne. Ihm selber schlug das Herz höher, wenn er an diesen Besuch dachte und – an Elise.
Häußer war damit einverstanden, und in schlichter Gärtnerjacke, das Gesicht künstlich gebräunt, einen derben Stock in der Hand, wanderte Konrad am andern Morgen in die Pleißenstadt. Er kam ohne Anstand hinein und suchte das Haus des Doktors. Dieser war eben nicht daheim und Elise trat ihm entgegen. Sie erkannte ihn nicht sofort, erst als er mit wärmerem Tone ihren Namen nannte, erschrak sie freudig, und wortlos sank sie ihm an die Brust.
Dann saßen sie beisammen, und Konrad erzählte von den Fahrten und Abenteuern der Lützower und von Körner, und das Herz des begeisterten Mädchens schlug höher: