»O, warum kann ich nicht dabei sein! – Aber mein Wort löse ich: Ich will den Verwundeten pflegen, treu und unermüdlich, daß er dem Vaterlande erhalten bleibe!«

Dann aber erzählte sie von der Stimmung in Leipzig, und wie man jedem preußischen Reiter, der als Parlamentär in die Stadt käme, zujauchze trotz des Herzogs von Padua und der Franzosen, und wie eine allgemeine Erbitterung in den Herzen sei über die Behandlung, welche man den bei Kitzen gefangenen Lützowern bereite. Man behandle sie nicht als Soldaten, sondern als Räuber.

Während dessen kam Dr. Wendler und war nicht wenig erstaunt und erfreut über seinen Gast. Aber auch er war unmutig und zornig erregt:

»Denkt Euch, diese elenden Schurken haben die armen verwundeten Lützower einfach in eine alte Kirche gesperrt, und wollten ihnen sogar den ärztlichen Beistand versagen. Ich habe im Namen der Menschlichkeit dagegen protestiert beim Herzog selbst, und habe mir den Eintritt erzwungen in das seltsame Lazarett. Es ist ein Jammer, wie die Armen dort herumliegen auf elendem Stroh und nicht einmal Nahrung erhalten. Nun, ich hoffe, die Leipziger Bürger werden es für eine Ehrenpflicht halten, für solche zu sorgen. Elise, was wir thun können, muß geschehen!«

Das Mädchen sank dem trefflichen Manne an den Hals, und Konrad reichte ihm mit stummer Anerkennung die Hand.

»Ja, und Körner« – fuhr der Doktor fort –, »Körner muß herein. Die Sache muß gehen. Zu mir kommen viele Kranke vom Lande, und könnt Ihr ihn in Bauerkleider stecken und Häußer ihn auf seinem Fuhrwerk als Patienten herbringen, so hat die Sache wohl keine Not und wir flicken den prächtigen Jungen bald wieder aus!«

Dann sprachen sie vom Waffenstillstand, und wie derselbe ungelegen genug kam und gerade in Leipzig den schmerzlichsten Eindruck machte. Die Lützower Infanterie hatte eben, vom General Woronzow aufgefordert, einen Handstreich auf die Stadt unternehmen wollen, war in beschwerlichen und gefährlichen Märschen von Havelberg herangerückt, der letzte Teil des Weges war geradezu im Trabe zurückgelegt worden, so daß mehrere vor Erschöpfung zusammenbrachen, und da man hart vor den Thoren stand, kam der Waffenstillstand. Mancher brave Mann hatte Thränen des Zornes darüber geweint.

Die Zeit verging den dreien rasch und Konrad, der noch mehr als an Speise und Trank sich an dem Umgang mit den lieben Menschen gefreut, mußte an den Aufbruch denken. Ehe er ging, reichte er dem Doktor herzlich die Hand, dann Elisen, und wie er ihr so tief und warm in die Augen sah, vermochte sich das Mädchen nicht zu halten, und mit einem Aufschluchzen legte sie die Arme um seinen Nacken. Verwundert, ja verblüfft sah Wendler die beiden an, dann sprach er:

»Steht es so? – Na, dann in Gottes Namen – verlobt euch! Konrad, Sie sind brav und tüchtig, und wenn der Himmel Sie gesund wiederbringt und Sie ein Amt haben, dann holen Sie Elisen. Und nun gebt euch einen redlichen Kuß und dann genug! Macht euch das Gemüt nicht weich, das Herz nicht schwer!«

So geschah's, aber die Seele Konrads war voll Sonnenschein, als er zum Stadtthor hinausschritt, lustig pfeifend vorbei an dem französischen Wachsoldaten, der sich gar nicht um ihn kümmerte. Als er in Groß-Zschocher in den Garten Häußers kam, begegnete ihm der Gehilfe. Er trat ihm in den Weg und sagte: