»Da ist nicht viel zu erzählen, «Unkraut verdirbt nicht», würde der alte Fischer zu mir sagen, und ein Verdienst habe ich ebensowenig wie Bastian jun. dabei, daß ich davon gekommen bin. Ich hatte mich an einen Trupp Ulanen unter dem braven Beczwarzowski angeschlossen, und wir suchten auf dem Wiesengrunde links von der Straße uns zu sammeln, wobei wir uns mühsam durch die Lücken einer Hecke durcharbeiten mußten. Da stürmten französische Dragoner auf uns ein, wir aber wandten uns, und ehe sie noch durch die Hecke kommen konnten, hatten wir sie zurückgeschlagen und jagten nun querfeldein gegen Norden zu. Wir überschritten glücklich die Straße nach Merseburg, setzten über die Luppe und bei Schkeuditz über die Elster, und ritten dann weiter auf der Halle-Leipziger Straße. In Großkugel hab' ich einen Vetter, bei dem hielt ich an, denn ich wollte den Waffenstillstand ausnützen. In seinen Kleidern und mit seinem Passe – er heißt Ludwig Zander, wie ich – streife ich jetzt als Kaufmann durchs Land und betreibe die Geschäfte der Lützower, d. h. ich werbe, wo immer es geht, denn unsere Lücken müssen ausgefüllt werden, ehe der Waffenstillstand zu Ende ist. Auf ein gut' Geschäft!«
Der prächtige, muntere Mensch hob sein Glas und wieder klangen die Gläser zusammen, Konrad aber sagte:
»Dann laß uns ein Kompagniegeschäft machen!«
»Abgemacht! Wir haben in der schwarzen Jägertracht gemeinsam unsere Streifen unternommen und wollen es in Gottes Namen wieder einmal anders versuchen. Aber ohne Paß geht's nicht, denn wir werden manchmal mitten unter die Franzosen gehen und unsere Leute suchen müssen, denn wo die Welschen am dicksten in Deutschland beisammen sitzen, da gedeiht auch der deutsche Haß am besten, und der ist unser Bundesgenosse.«
»Den Paß verschaffe ich!« sagte Bastian. »Konrad Schmidt, Ökonom, auf der Reise, um für den Gutsbesitzer Bastian Geschäfte abzuschließen – was?«
Der Pfarrer hatte schweigend dabei gesessen und die Hand seines Sohnes gehalten; er schüttelte das ergraute Haupt und sagte wehmütig:
»Daß selbst die Unwahrheit herhalten muß als Mittel zum guten Zweck!«
»Ja, fragt denn der Schelmfranzos um Moral?« fragte Zander, und Bastian fügte hinzu:
»Wenn im Kriege schon einmal Mord und Totschlag gelten, da ist ein falscher Paß eine Harmlosigkeit, und viel falsches ist ja nicht dran. Denn wenn Konrad unterwegs meine Hammelzucht verkaufen kann, die ich aufgeben will, so soll er's thun und sein Gewissen ist gerettet.«
Bis in die Nacht hinein saßen die fünf Menschen plaudernd beisammen, dann ging Konrad mit seinem Vater nach dem Pfarrhofe, Zander aber blieb bei Bastian.