»Ja, ja, 's ist mein voller, heiliger Ernst. Sie sind Preußen, Sie verstehen mich, und mir thut's wohl, einmal darüber reden zu können. Die Verhältnisse hier sind jetzt schmachvoll und erbärmlich, und die Wirtschaft in Kassel und auf der Wilhelmshöhe zerreißt jedem ehrlichen Manne, der an seinem angestammten Landesherrn hängt, das Herz. Das Schlimmste aber ist, daß die Landeskinder selber sich herandrängen in den fremden Dienst und mit dem welschen Anzuge prunken und zusammengehen mit dem verlaufenen Gesindel, das sonstwo ausgeworfen worden und das der reichliche Lohn und das lustige Leben hier lockt. Meine Herren, ich habe zwei Söhne, Zwillinge, die ich selber manchmal nicht recht unterscheiden konnte; heute kann ich's, denn der eine trägt die königl. Westfälische Offiziersuniform, und hat sich ködern lassen, daß mir das Herz darüber blutet, der andere aber vergeht vor Sehnsucht nach der Befreiung Deutschlands. Er hat schon einige Male einen Anlauf genommen, unter die Lützower zu treten, und ich glaube, wenn es wieder losgeht, kann ich ihn nicht mehr halten, und ich will's auch nicht!«
Die beiden sahen einander verständnisvoll an, dann sprach Konrad:
»Wenn's so liegt in Ihrem Hause, haben wir nicht Ursache, unser wahres Gesicht zu verstecken. Wir sind beide Lützower, und suchen Leute für unsere Schar zu werben. Lassen Sie Ihren Sohn seinem Herzen folgen!«
Überrascht sah der Mann seine beiden jungen Gäste an, dann griff er rechts und links nach ihren Händen, umspannte sie mit warmem Drucke und sagte:
»Das soll ein Fingerzeig des Himmels sein – ich will ihn rufen!«
Er stand auf, und ehe noch die beiden Freunde halblaut ihre Meinung über den Vorfall ausgetauscht, kehrte er mit einem hochgewachsenen jungen Mann mit frischen Zügen und leuchtenden Augen zurück.
»Hier ist er« – sprach er –, »Erich, das Lützowsche Freikorps grüßt dich in den beiden Herren!«
Zweifelnd, fragend sah der Angesprochene nach seinem Vater, dann nach den Fremden. Diese aber erhoben sich, und Zander sprach halblaut:
»Das Vaterland braucht Arme, und die deutsche Freiheit warme Herzen und starke Hände!«
»Und ihr seid wahrhaftig Lützower?« fragte der andere erregt.