Der Oberst aber trat an die beiden Lützower.
»Meine Herren, denken Sie nicht zu schlimm von uns; die Verhältnisse sind oft stärker als wir! Ich wünsche Ihnen glückliche Heimkehr!«
Er wollte ihnen die Hände reichen, aber keiner von den beiden nahm sie an; sie wendeten sich schweigend ab; der Oberst aber biß die Zähne aufeinander und winkte stumm, sich zu entfernen.
Am andern Morgen ging ein ähnlicher Zug, wie er Tags vorher durch die Gasse gekommen, zum Thor des Städtchens hinaus und auf der Straße nach der Kreisstadt. Die zwei Lützower schritten ungefesselt zwischen den Soldaten, und einige Schritte hinterdrein kam der Lieutenant. Der ganze Auftrag hatte etwas Beschämendes und Demütigendes für ihn, dessen war er sich wohl bewußt, und wo man durch ein Dorf kam, ging er auf einem andern Wege als die Soldaten und die Gefangenen.
Die Kreisstadt war nur etwa zwei Stunden entfernt. Daselbst angelangt, meldete sich der junge Offizier bei dem General Garnier und führte die zwei Lützower zu ihm. Der General empfing ihn mit einer unangenehmen Herablassung und redete in gebrochenem Deutsch – er war offenbar Vollblutfranzose. Sobald er hörte, daß die beiden jungen Männer dem Lützowschen Freikorps angehörten, rötete sich sein Gesicht:
» Ah ces brigands! « sprach er höhnisch.
»Wir sind keine Räuber, sondern ehrliche Soldaten,« sagte Schmidt fest.
» Silence! « schrie der Franzose. – » L'armistice est pour tout le monde, excepté pour vous. « (Der Waffenstillstand gilt für Alle, für euch aber nicht.)
Das waren dieselben Worte, welche der französische General dem Major von Lützow bei Kitzen zugerufen hatte, und die beiden Freunde faßte heiße Entrüstung.
»Das ist eine Schmach und ein Wort, das einer gebildeten großen Nation unwürdig ist!« rief Zander, der General aber brauste von neuem auf, gebot in seinem geradebrechten Idiom Schweigen, bis er fragen würde, und fügte dann bei, daß er sie als Spione vor das Kriegsgericht stellen werde. Er befahl dem Lieutenant barsch, sie abzuführen und in den prison zu bringen.