»Er schweigt … Offenbar verlangt er ein Opfer von mir. Aber ich kann ihn doch nicht lieben, wenn ich immer noch den anderen liebe! Übrigens … ich will es mir überlegen … Gut, ich werde es mir überlegen … Ich werde alle Kräfte meiner Seele sammeln und vielleicht um den Preis meines Glückes diesen Menschen von seinen Leiden erlösen!«

Ich verstehe nichts. Es ist eine Art Kabbala für mich. Wir gehen weiter und sammeln Pilze. Wir schweigen die ganze Zeit. Maschenjkas Gesicht drückt einen inneren Kampf aus. Ich höre Hundegebell: das bringt mir meine Dissertation in Erinnerung, und ich seufze laut auf. Zwischen den Baumstämmen erblicke ich den verwundeten Offizier. Der Ärmste hinkt schmerzvoll rechts und links: rechts hat er seine verwundete Hüfte, links hängt eines der bunten jungen Mädchen. Sein Gesicht drückt Demut vor dem Schicksal aus.

Aus dem Walde kehren wir ins Haus zurück und trinken Tee. Dann spielen wir Krocket und hören zu, wie eines der bunten jungen Mädchen das Lied singt: »Nein, du liebst mich nicht, nein, nein!« Beim Worte »nein« verzieht sie den Mund bis zu den Ohren.

»Charmant!« stöhnen die übrigen Mädchen. »Charmant!«

Der Abend bricht an. Hinter dem Gebüsch kommt ein ekelhafter Mond zum Vorschein. Die Luft ist still, und es riecht unangenehm nach frischgemähtem Heu. Ich nehme meinen Hut und will gehen.

»Ich muß Ihnen etwas sagen,« flüstert mir Maschenjka bedeutungsvoll zu. »Gehen Sie nicht.«

Mir schwant etwas übles. Aber aus Höflichkeit bleibe ich doch. Maschenjka ergreift meinen Arm und führt mich die Allee entlang. Jetzt drückt schon ihre ganze Figur einen Kampf aus. Sie ist blaß, atmet schwer und scheint die Absicht zu haben, mir meinen rechten Arm abzureißen. Was hat sie bloß?

»Hören Sie …« murmelt sie. »Nein, ich kann nicht … Nein …«

Sie will etwas sagen, kann sich aber nicht entschließen. Da sehe ich es aber ihrem Gesicht an, daß sie sich doch entschlossen hat. Mit funkelnden Augen und geschwollener Nase ergreift sie plötzlich meine Hand und sagt schnell:

»Nicolas, ich bin die Ihre! Lieben kann ich Sie nicht, aber ich verspreche Ihnen Treue!«