Dann schmiegt sie sich an meine Brust und prallt plötzlich zurück.

»Da kommt wer …« flüstert sie. »Leb wohl … Morgen um elf werde ich im Gartenhäuschen sein … Leb wohl!«

Und sie verschwindet. Ohne etwas zu verstehen, klopfenden Herzens gehe ich heim. Mich erwartet die »Vergangenheit und Zukunft der Hundesteuer«, aber ich bin nicht mehr imstande zu arbeiten. Ich rase. Man darf wohl sagen, ich bin erschreckend. Hol der Teufel, ich werde es nicht dulden, daß man mich wie einen grünen Jungen behandelt! Ich bin jähzornig, und es ist gefährlich, mit mir zu spaßen! Als das Dienstmädchen hereinkommt, um mich zum Abendbrot zu rufen, schreie ich sie an: »Hinaus!« Mein jähzorniger Charakter verspricht wenig Gutes.

Der nächste Morgen. Es ist ein echtes Sommerfrischenwetter, d. h. Temperatur unter Null, durchdringender kalter Wind, Regen, Schmutz und Naphthalingeruch, da meine Mama ihre warmen Mäntel aus dem Korb geholt hat. Ein teuflischer Morgen. Es ist der 7. August 1887, als die berühmte Sonnenfinsternis stattfand. Ich muß bemerken, daß bei einer Sonnenfinsternis ein jeder von uns, auch ohne Astronom zu sein, großen Nutzen bringen kann. So kann ein jeder: 1) den Durchmesser der Sonne und des Mondes bestimmen, 2) die Korona skizzieren, 3) die Temperatur messen, 4) während der Verfinsterung die Tiere und die Pflanzen beobachten, 5) seine eigenen Empfindungen aufschreiben u. s. w. Das alles ist so wichtig, daß ich mich entschloß, die »Vergangenheit und Zukunft der Hundesteuer« beiseite zu lassen und die Sonnenfinsternis zu beobachten. Wir alle standen sehr früh auf. Die ganze bevorstehende Arbeit verteilte ich auf folgende Weise: ich bestimme den Durchmesser der Sonne und des Mondes, der verwundete Offizier zeichnet die Korona, alles übrige übernehmen aber Maschenjka und die bunten jungen Mädchen. Nun sind wir alle versammelt und warten.

»Wieso entsteht eine Sonnenfinsternis?« fragt mich Maschenjka.

Ich antworte:

»Eine Sonnenfinsternis kommt zustande, wenn der Mond, die Ebene der Ekliptik durchlaufend, auf die Linie zu stehen kommt, die die Mittelpunkte der Sonne und des Mondes verbindet.«

»Was ist die Ekliptik?«

Ich erkläre es ihr. Maschenjka hört mir aufmerksam zu und fragt:

»Kann man durch ein angerußtes Glas die Linie sehen, die die Mittelpunkte der Sonne und des Mondes verbindet?«