»Ich reise nicht nach Charkow,« erwidere ich mürrisch.

Meine Frau bekommt einen Schreck, und auf ihrem Gesichte erscheint ein Ausdruck qualvollen Schmerzes.

»Um Gottes willen, Nikolai Stepanowitsch!« fleht sie mich schluchzend an. »Um Gottes willen, nimm mir diese schwere Sorge von der Seele! Ich leide darunter entsetzlich!«

Wie ich sie so ansehe, tut sie mir leid.

»Nun gut, Warja,« sage ich freundlich. »Wenn du es wünschest, will ich meinetwegen nach Charkow fahren und alles tun, was du möchtest.«

Sie drückt das Taschentuch gegen die Augen und geht auf ihr Zimmer, um zu weinen. Ich bleibe allein.

Nach einiger Zeit bringt man mir Licht. Von den Sesseln und dem Lampenschirm lagern sich auf den Wänden und auf dem Fußboden die mir längst bekannten, längst zuwider gewordenen Schatten, und wenn ich sie ansehe, so will es mir scheinen, daß es schon Nacht sei, und daß meine nichtswürdige Schlaflosigkeit schon beginne. Ich lege mich ins Bett; dann stehe ich wieder auf und wandere im Zimmer auf und ab; dann lege ich mich wieder hin … Gewöhnlich erreicht nach dem Mittagessen, vor dem Abend, meine nervöse Erregung ihren höchsten Grad. Ich fange ohne Veranlassung zu weinen an und stecke den Kopf unter das Kopfkissen. In solchen Augenblicken fürchte ich mich davor, daß jemand eintreten könnte; ich fürchte, plötzlich zu sterben, schäme mich meiner Tränen, und meine ganze Seele ist von einem allgemeinen, unerträglichen Schmerz erfüllt. Ich fühle, daß ich nicht länger imstande bin, meine Lampe, meine Bücher, die Schatten auf dem Fußboden anzusehen und die aus dem Salon herübertönenden Stimmen anzuhören. Eine unsichtbare, unbegreifliche Macht zieht mich gewaltsam aus meiner Wohnung hinaus. Ich springe auf, kleide mich hastig an und gehe vorsichtig, damit meine Hausgenossen es nicht gewahr werden, auf die Straße. Wo soll ich hingehen?

Die Antwort auf diese Frage steckt schon längst fertig in meinem Gehirn: zu Katja.


III