»Ich bleibe noch ein Weilchen hier,« sagt Michail Fedorowitsch; »gestatten Sie, Jekaterina Wladimirowna?«

»Gewiß,« antwortet Katja.

»Bene. Dann lassen Sie also, bitte, noch ein Fläschchen bringen!«

Beide begleiten mich mit Licht in das Vorzimmer, und während ich mir den Pelz anziehe, sagt Michail Fedorowitsch:

»Sie sind in der letzten Zeit furchtbar abgemagert und gealtert, Nikolai Stepanowitsch. Was fehlt Ihnen? Sind Sie krank?«

»Ja, ein wenig.«

»Und dabei unternimmt er keine Kur …« fügt Katja unwillig hinzu.

»Aber warum denn nicht? Das ist ja unverantwortlich. Den Vorsichtigen behütet Gott, lieber Freund. Empfehlen Sie mich Ihren Angehörigen, und entschuldigen Sie mich bei ihnen, daß ich nicht hinkomme. In diesen Tagen, vor meiner Abreise ins Ausland, werde ich vorsprechen, um Lebewohl zu sagen. Ganz bestimmt! Ich reise in der nächsten Woche.«

Ich gehe von Katja in gereizter Stimmung weg, erschreckt durch das Gespräch über meine Krankheit und unzufrieden mit mir selbst. Ich lege mir die Frage vor: Soll ich mich wirklich von einem meiner Kollegen behandeln lassen? Und sogleich male ich mir auch aus, wie der Kollege, nachdem er mich untersucht hat, schweigend von mir weg zum Fenster geht, eine Weile nachdenkt, sich dann zu mir umwendet und, indem er sich Mühe gibt, mich nicht auf seinem Gesichte die Wahrheit lesen zu lassen, in gleichgültigem Tone sagt: »Vorläufig sehe ich nichts Besonderes; aber doch möchte ich Ihnen raten, Herr Kollege, Ihre Tätigkeit zu unterbrechen.« Und das wird mich dann der letzten Hoffnung berauben.

Wo gäbe es jemand, der nicht hoffte? Seht, wo ich mir selbst die Diagnose stelle und mich selbst behandle, hoffe ich zeitweilig, daß mich meine Unwissenheit täuscht und ich mich hinsichtlich des Eiweißes und des Zuckers irre, die ich bei mir finde, und hinsichtlich des Herzens und hinsichtlich der Anschwellungen, die ich schon zweimal bei mir morgens entdeckt habe; jetzt, wo ich mit dem Eifer eines Hypochonders die Lehrbücher der Therapie durchblättere und täglich mit der Arznei wechsle, jetzt meine ich immer, ich würde noch auf irgend etwas Tröstliches stoßen. Dieses ganze Benehmen ist kleinlich.