Mag der Himmel mit Wolken bedeckt sein oder mögen Mond und Sterne an ihm glänzen, jedesmal, wenn ich nach Hause zurückkehre, blicke ich zu ihm hinauf und denke daran, daß mir bald der Tod kommen wird. Man könnte meinen, meine Gedanken müßten zu dieser Zeit tief sein wie der Himmel und klar und großartig; aber nein! Ich denke an mich selbst, an meine Frau, an Lisa, an Herrn Gnecker, an die Studenten, an die Menschen überhaupt; ich denke häßlich und kleinlich, mache vor mir selbst Winkelzüge, und meine Weltanschauung in solchen Augenblicken läßt sich mit den Worten ausdrücken, die der berühmte Araktschejew in einem seiner intimen Briefe schrieb: »Alles Gute in der Welt kann nicht ohne Schlechtes sein, und gibt es immer mehr Schlechtes als Gutes.« Das heißt: alles ist garstig, und das Leben ist zwecklos, und die zweiundsechzig Jahre, die ich bereits gelebt habe, muß ich als verloren betrachten. Ich ertappe mich auf diesen Gedanken und suche mir einzureden, sie seien nur zufällig und vorübergehend in meinem Kopfe vorhanden und säßen da nicht tief; aber sogleich denke ich wieder:
»Wenn es so ist, warum zieht es mich denn jeden Abend zu diesen beiden Kröten hin?«
Und ich schwöre es mir zu, nie wieder zu Katja hinzugehen, obwohl ich weiß, daß ich morgen doch wieder zu ihr gehen werde.
Nachdem ich an meiner Haustüre die Klingel gezogen habe, und während ich dann die Treppe hinaufsteige, fühle ich, daß ich keine Familie mehr habe und nicht einmal den Wunsch hege, sie wiederzugewinnen. Es ist offenbar, daß die neuen Araktschejewschen Gedanken sich nicht nur so zufällig und nur für kurze Zeit bei mir eingefunden, sondern mein ganzes Wesen in Besitz genommen haben. Mit krankem Gewissen, niedergeschlagen, träge, kaum die Glieder bewegend, als ob ich viele Zentner an Gewicht zugenommen hätte, lege ich mich ins Bett und schlafe bald ein.
Aber dann folgt die Schlaflosigkeit.
IV
Der Sommer kommt heran, und das Leben ändert sich.
Eines schönen Morgens kommt Lisa zu mir in mein Zimmer und sagt in scherzendem Tone:
»Wollen Euer Exzellenz kommen! Es ist alles bereit.«