Das Mittagessen verläuft jetzt bei uns langweiliger als im Winter. Eben jener Herr Gnecker, den ich jetzt hasse und verachte, ißt bei uns fast täglich mit. Früher duldete ich schweigend seine Anwesenheit; aber jetzt richte ich an seine Adresse Stichelreden, über die meine Frau und Lisa rot werden. Von meinem Ingrimm hingerissen, rede ich oft geradezu Dummheiten und weiß nicht einmal recht, warum ich sie rede. So kam es einmal vor, daß ich Herrn Gnecker lange verächtlich ansah und ohne jede Veranlassung plötzlich herausstieß:
»Der Aar schwebt wohl einmal hinab zum Hühnervolke,
Doch schwingt sich nie das Huhn zu jenem in die Wolke.«
Und das Ärgerlichste ist, daß bei solchen Gelegenheiten das Huhn Gnecker sich weit verständiger benimmt als der Aar Professor. Da er weiß, daß meine Frau und meine Tochter auf seiner Seite stehen, so beobachtet er folgende Taktik: er beantwortet meine Stichelreden mit herablassendem Schweigen, welches besagt: »Der Alte ist verrückt geworden; wozu da lange mit ihm reden?« oder er macht sich in gutmütiger Weise über mich lustig. Es ist wirklich erstaunlich, bis zu welchem Grade der Mensch verflachen kann: ich bin imstande, während des ganzen Mittagessens mich in Gedanken darüber zu ergehen, wie Herr Gnecker sich als Abenteurer entpuppen wird, wie Lisa und meine Frau ihren Irrtum einsehen werden, und wie ich sie dann damit aufziehen werde. Solchen und ähnlichen törichten Gedanken überlasse ich mich zu einer Zeit, wo ich doch schon mit einem Fuße im Grabe stehe!
Jetzt kommen auch Mißhelligkeiten vor, von denen ich früher nur durch Hörensagen einen Begriff hatte. Wie beschämend es auch für mich ist, so will ich doch einen derartigen Vorfall erzählen, der sich neulich nach dem Mittagessen zutrug.
Ich saß in meinem Zimmer und rauchte eine Pfeife. Da kam wie gewöhnlich meine Frau herein, setzte sich hin und fing an davon zu reden, daß es doch gut wäre, wenn ich jetzt, solange es noch warm sei und ich freie Zeit hätte, nach Charkow reisen und mich dort erkundigen wollte, was unser Herr Gnecker für ein Mensch sei.
»Schön, ich werde hinreisen,« erwiderte ich.
Meine Frau war mit mir zufrieden, stand auf und ging zur Tür, kehrte aber sogleich wieder zurück und sagte:
»Bei der Gelegenheit möchte ich dir noch eine Bitte aussprechen. Ich weiß, du wirst ärgerlich werden; aber es ist meine Pflicht, dich zu warnen. Nimm es nicht übel, Nikolai Stepanowitsch, aber alle unsere Bekannten und Nachbarn fangen schon an darüber zu reden, daß du so viel bei Katja verkehrst. Sie ist ja klug und gebildet, das stelle ich nicht in Abrede, und man verbringt in ihrer Gesellschaft die Zeit sehr angenehm; aber du mußt selbst zugeben, es ist einigermaßen sonderbar, wenn ein Mann in deinen Jahren und in deiner gesellschaftlichen Stellung an ihrer Gesellschaft Vergnügen findet. Und außerdem ist ihr Renommee von der Art, daß …«
Alles Blut strömte plötzlich von meinem Gehirn fort, Funken sprühten mir aus den Augen; ich sprang auf, griff mir an den Kopf, stampfte mit den Füßen und schrie mit entstellter Stimme: