»Laßt mich in Ruhe! Laßt mich in Ruhe! Laßt mich in Ruhe!«

Mein Gesicht mußte wohl schrecklich aussehen und meine Stimme seltsam klingen; denn meine Frau wurde auf einmal ganz blaß und schrie mit gleichfalls fremdartig klingender, verzweifelter Stimme laut auf. Auf unser Geschrei kamen Lisa, Herr Gnecker und dann auch Jegor herbeigelaufen.

»Laßt mich in Ruhe!« schrie ich. »Geht hinaus! Laßt mich in Ruhe!«

Die Füße wurden mir taub, als ob sie gar nicht da wären; ich fühlte, wie ich jemandem in die Arme sank; dann hörte ich eine kurze Zeit Weinen und fiel in eine Ohnmacht, die zwei bis drei Stunden dauerte.

Jetzt von Katja. Sie besucht mich täglich gegen Abend, und das muß natürlich den Bekannten und Nachbarn auffallen. Sie kommt angefahren, tritt nur auf einen Augenblick bei mir ein und nimmt mich dann mit auf ihre Spazierfahrt. Sie hat ein eigenes Pferd und einen neuen char à banc, den sie sich in diesem Sommer gekauft hat. Überhaupt lebt sie auf großem Fuße: sie hat sich ein teures Landhaus mit großem Garten für sich allein gemietet und ihr ganzes Mobiliar aus der Stadt dorthin schaffen lassen, hält sich zwei Stubenmädchen und einen Kutscher … Oft frage ich sie:

»Katja, wovon wirst du leben, wenn du das väterliche Geld vergeudet haben wirst?«

»Das wollen wir später sehen,« antwortet sie.

»Dieses Geld, liebes Kind, würde wohl eine etwas rücksichtsvollere Behandlung verdienen. Es ist von einem braven Manne durch ehrliche Arbeit erworben.«

»Das haben Sie mir schon früher gesagt. Ich weiß es.«

Zuerst fahren wir zwischen Feldern hin, dann durch den Nadelwald, den ich von meinem Fenster aus sehen kann. Die Natur erscheint mir ebenso schön wie früher, obwohl mir der Böse zuflüstert, daß alle diese Tannen und Fichten, diese Vögel und weißen Wolken am Himmel, wenn ich nach drei bis vier Monaten tot sein werde, von meinem Fehlen nichts merken werden. Katja findet Vergnügen daran, das Pferd selbst zu lenken, und sie freut sich, daß es schönes Wetter ist und ich neben ihr sitze. Sie ist guter Laune und führt keine bissigen Reden.