»Sie sind ein sehr guter Mensch, Nikolai Stepanowitsch,« sagt sie. »Sie sind ein seltenes Exemplar, und es gibt keinen Schauspieler, der Sie spielen könnte. Mich oder z. B. Michail Fedorowitsch kann selbst ein schlechter Schauspieler kopieren, Sie aber niemand. Und ich beneide Sie, gewaltig beneide ich Sie! Denn ich, was bin ich? Was bin ich?«

Sie denkt einen Augenblick nach und fragt mich dann:

»Nikolai Stepanowitsch, ich bin ja doch wohl eine negative Erscheinung, nicht wahr?«

»Ja«, antworte ich.

»Hm … Was soll ich denn aber nun tun?«

Was soll ich ihr erwidern? Es ist leicht zu sagen: »Arbeite!« oder: »Gib deine Habe den Armen!« oder: »Erkenne dich selbst!«, und weil das eben so leicht zu sagen ist, so weiß ich nicht, was ich ihr erwidern soll.

Meine Kollegen, die Therapeuten, geben in der Lehre von der Behandlung der Kranken den Rat, man solle jeden einzelnen Fall individuell behandeln. Wer diesen Rat befolgt, wird sich überzeugen, daß die Mittel, die in den Lehrbüchern schablonenmäßig als die besten und als durchaus brauchbar empfohlen werden, sich in den Einzelfällen als völlig unbrauchbar erweisen. Dasselbe gilt auch von seelischen Leiden.

Aber irgend etwas muß ich ihr doch antworten, und so sage ich denn:

»Du hast zuviel freie Zeit, meine Liebe. Du mußt dich mit etwas beschäftigen. Wirklich, warum willst du nicht wieder Schauspielerin werden, wenn du doch einen inneren Beruf dazu hast?«

»Ich kann es nicht.«