»Dein Ton und deine Art machen den Eindruck, als ob du dir wie ein Opfer vorkommst. Das gefällt mir nicht, meine Liebe. Du trägst selbst die Schuld. Erinnere dich nur: du begannst damit, dich über die Schauspieler und ihre Art zu ärgern, hast aber nichts getan, um diese und andere Menschen zu bessern. Du hast mit dem Schlechten nicht gerungen, sondern bist vorzeitig müde geworden und bist nicht ein Opfer des Ringens, sondern deiner Kraftlosigkeit. Nun freilich, du warst damals noch jung und unerfahren; aber jetzt kann alles einen anderen Verlauf nehmen. Wirklich, geh zur Bühne! Da wirst du arbeiten, der heiligen Kunst dienen …«

»Reden Sie nicht, was Sie selbst nicht meinen, Nikolai Stepanowitsch!« unterbricht mich Katja. »Lassen Sie uns ein für allemal die Verabredung treffen: wir wollen über Schauspieler reden, über Schauspielerinnen, über Schriftsteller; die Kunst aber wollen wir aus dem Spiele lassen. Sie sind ein prächtiger Mensch, ein seltener Mensch; aber Sie besitzen nicht so viel Verständnis für die Kunst, daß Sie sie mit gutem Gewissen ›die heilige Kunst‹ nennen dürften. Sie haben für die Kunst keinen Sinn und kein Gefühl. Ihr ganzes Leben lang sind Sie mit Ihrer Arbeit beschäftigt gewesen und haben keine Zeit gehabt, sich dieses Gefühl zu erwerben. Überhaupt … ich kann diese Gespräche über Kunst nicht leiden!« fuhr sie nervös fort; »ich kann sie nicht leiden! Die Kunst ist so schon hinlänglich profaniert worden. Ich mag nichts weiter hören!«

»Wer hat die Kunst profaniert?«

»Die Schauspieler haben die Kunst profaniert durch ihre Trunksucht, die Zeitungen durch eine gar zu familiäre Stellungnahme ihr gegenüber, die verständigen Leute durch ihre Philosophie.«

»Die Philosophie hat damit nichts zu schaffen.«

»O doch. Wenn jemand über einen Gegenstand philosophiert, so bedeutet das, daß er kein Verständnis für ihn hat.«

Damit das Gespräch nicht zu scharf wird, beeile ich mich, das Thema zu wechseln, und schweige dann längere Zeit. Erst in dem Augenblicke, wo wir aus dem Walde herausfahren und die Richtung nach Katjas Landhause einschlagen, kehre ich wieder zu dem früheren Gegenstande zurück und frage:

»Du hast mir immer noch nicht geantwortet: Warum willst du nicht wieder Schauspielerin werden?«

»Nikolai Stepanowitsch, das ist aber doch gar zu grausam von Ihnen!« ruft sie aus und wird plötzlich dunkelrot. »Wollen Sie wirklich, daß ich Ihnen laut die Wahrheit sage? Nun, wenn Sie es wünschen, meinetwegen: ich besitze kein Talent. Ich besitze kein Talent, wohl aber einen großen Ehrgeiz! Das ist der Grund!«