Nachdem sie mir dieses Geständnis gemacht hat, wendet sie das Gesicht von mir weg und zieht, um das Zittern ihrer Hände zu verbergen, stark an den Zügeln.
Als wir uns ihrem Landhause nähern, sehen wir schon von weitem Michail Fedorowitsch, der am Tore auf und ab geht und ungeduldig auf uns wartet.
»Wieder dieser Michail Fedorowitsch!« sagt Katja ärgerlich. »Bitte, schaffen Sie ihn mir vom Halse! Ich bin seiner überdrüssig; er ist schal geworden … Ich mag ihn nicht!«
Michail Fedorowitsch sollte schon längst im Auslande sein; aber er schiebt seine Abreise von einer Woche zur andern auf. In der letzten Zeit sind mit ihm einige Veränderungen vorgegangen: er ist magerer geworden, wird vom Weine berauscht, was früher bei ihm nie der Fall war, und seine schwarzen Augenbrauen beginnen grau zu werden. Wenn unser char à banc am Tore hält, macht er aus seiner Freude und seiner Ungeduld kein Hehl. Mit großer Beflissenheit ist er Katja und mir beim Aussteigen behilflich, stellt eilig allerlei Fragen, lacht und reibt sich die Hände; und jener sanfte, flehende, reine Ausdruck, den ich früher nur in seinem Blicke wahrnahm, hat sich jetzt über sein ganzes Gesicht ausgebreitet. Er freut sich, und gleichzeitig schämt er sich seiner Freude, schämt sich dieser Gewohnheit, Katja jeden Abend zu besuchen, und hält es für nötig, sein Kommen durch irgendeine handgreifliche Abgeschmacktheit zu motivieren, von dieser Art: »Ich kam gerade vorbei, als ich mir etwas besorgen wollte, und da dachte ich: ich will doch auf einen Augenblick herangehen.«
Wir gehen alle drei in die Wohnung; zuerst trinken wir Tee; dann erscheinen auf dem Tische die mir längst bekannten zwei Spiele Karten, ein großes Stück Käse, Obst und eine Flasche Krim-Schaumwein. Die Themata unserer Gespräche sind keine neuen, sondern immer noch dieselben wie im Winter. Die Universität und die Studenten und die Literatur und das Theater müssen tüchtig herhalten; die Luft wird von den Lästerreden dichter und schwüler, und es vergiften sie jetzt nicht mehr zwei Kröten mit ihrem Atem wie im Winter, sondern drei. Außer dem samtweichen Lachen eines Baritons und einem andern Lachen, das wie eine Harmonika klingt, hört das Stubenmädchen, das uns bedient, noch ein drittes, unangenehm knarrendes Lachen, so wie in den Vaudevilles die Generale lachen: »He-he-he!«
V
Es kommen manchmal schreckliche Nächte vor, mit Blitz und Donner, Regen und Wind, die das Volk Sperlingsnächte nennt, weil die Sperlinge dabei vor Angst aus den Nestern herauskommen. Eine solche Sperlingsnacht habe ich in meinem eigenen Leben durchgemacht …
Ich wache nach Mitternacht auf und springe plötzlich vom Bette in die Höhe. Aus einem unverständlichen Grunde glaube ich, daß ich im nächsten Augenblick sterben werde. Warum glaube ich das? Im Körper habe ich keine derartige Empfindung, die auf ein schnelles Ende hinwiese; aber auf meiner Seele lastet eine solche Angst, als ob ich auf einmal den riesigen roten Schein einer entsetzlichen Feuersbrunst erblicke.