Ich zünde schnell Licht an, trinke Wasser unmittelbar aus der Karaffe und eile dann zum offenen Fenster. Draußen ist herrliches Wetter. Es duftet nach Heu und sonst noch nach etwas Schönem. Ich sehe die Zacken des Gartenzaunes, die verschlafenen, kümmerlichen Bäume am Fenster, den Weg, den dunklen Waldstreifen; an dem wolkenlosen Himmel steht ruhig der sehr helle Mond. Tiefe Stille; kein Blatt regt sich. Mir scheint, daß alles mich anschaut und lauscht, wie ich sterben werde …

Mir ist bange zumute. Ich schließe das Fenster und laufe wieder zum Bette hin. Ich fühle mir den Puls, und da ich ihn an der Hand nicht finde, suche ich ihn an den Schläfen, dann am Kinn und wieder an der Hand; alles ist an mir kalt und schlüpfrig von Schweiß. Mein Atem wird schneller und schneller; der ganze Körper zittert; alle inneren Teile sind in Bewegung; auf dem Gesicht und auf der Glatze habe ich ein Gefühl, als ob sich ein Spinngewebe darauf lege.

Was soll ich tun? Soll ich die Meinigen rufen? Nein, das hat keinen Zweck. Ich wüßte gar nicht, was meine Frau und Lisa tun sollten, wenn sie zu mir herein kämen.

Ich stecke den Kopf unter das Kissen, schließe die Augen und warte, warte … Mich friert am Rücken; es ist mir, als zöge er sich nach innen hinein, und ich habe ein Gefühl, als werde der Tod sich mir jedenfalls von hinten nahen, ganz leise …

»Kwi, kwi!« ertönt auf einmal ein Kreischen in der nächtlichen Stille, und ich weiß nicht, wo es ist, ob in meiner Brust oder auf der Straße.

»Kwi, kwi!«

Mein Gott, wie entsetzlich! Ich möchte gern noch mehr Wasser trinken; aber ich fürchte mich, auch nur die Augen aufzumachen und den Kopf in die Höhe zu heben. Ich habe eine sinnlose, animalische Angst und kann gar nicht begreifen, warum ich mich eigentlich fürchte: weil ich weiterleben möchte, oder weil mir ein neuer Schmerz bevorsteht, den ich noch nicht kenne?

Oben, in dem Zimmer über mir, klingt es halb wie Stöhnen, halb wie Lachen. Ich lausche. Nach einer kleinen Weile sind auf der Treppe Schritte zu hören. Es kommt jemand eilig herunter, steigt aber dann wieder hinauf. Eine Minute später werden die Schritte wieder unten vernehmbar; es bleibt jemand an meiner Tür stehen und horcht.

»Wer ist da?« rufe ich.

Die Tür öffnet sich; mit einem kühnen Entschlusse mache ich die Augen auf und sehe meine Frau vor mir. Ihr Gesicht ist blaß, ihre Augen verweint.