»Du schläfst nicht, Nikolai Stepanowitsch?« fragte sie.
»Was willst du?«
»Um Gottes willen, komm doch mit zu Lisa und sieh sie dir einmal an. Es muß ihr etwas zugestoßen sein …«
»Gut … gern …« murmele ich, sehr zufrieden damit, daß ich nicht mehr allein bin. »Gut … den Augenblick.«
Ich gehe hinter meiner Frau her, höre an, was sie mir mitteilt, und verstehe vor Aufregung nichts davon. Das Licht, das sie trägt, läßt auf den Treppenstufen helle Flecke umherhüpfen und unsere langen Schatten sich zitternd bewegen; meine Füße verwickeln sich in den Schößen meines Schlafrockes; ich kann kaum atmen, und es ist mir, als ob mich jemand verfolgte und mich am Rücken packen wollte. »Jetzt werde ich gleich hier auf dieser Treppe sterben,« denke ich. »Gleich diesen Augenblick …« Aber da sind wir schon die Treppe hinaufgestiegen, haben bereits den dunklen Korridor mit dem italienischen Fenster passiert und treten in Lisas Zimmer. Sie sitzt im bloßen Hemde auf dem Bette, läßt die nackten Beine herunterhängen und stöhnt.
»Ach mein Gott … ach mein Gott!« murmelt sie und kneift, von unserem Lichte geblendet, die Augen zusammen. »Ich kann nicht, ich kann nicht …«
»Lisa, mein Kind,« sage ich, »was fehlt dir?«
Sobald sie mich erblickt, schreit sie auf und fällt mir um den Hals.
»Mein guter Papa …« schluchzt sie. »Mein lieber Papa … Mein süßer, bester Papa! … Ich weiß nicht, was mit mir ist … Mir ist so schwer ums Herz!«
Sie umarmt mich, küßt mich und stammelt zärtliche Koseworte, wie ich sie von ihr gehört habe, als sie noch ein kleines Kind war.