„Glaub' es und geh'!‟ Nizam sprang jäh auf, wie eine wilde Katze.

Lars zögerte einen Augenblick, sah sie erschreckt an; es war ihm, als höre er die warnende Stimme seiner Mutter, Knuts — es war wirklich ein weiblicher Dämon, der da vor ihm stand, in das rote Manteltuch gehüllt, aus diesen Augen loderte wirklich die Sünde; dann aber stürzte er sich auf sie, von einer zornigen Leidenschaft erfaßt, und preßte sie in seine starken Arme. Der Duft ihres Haares betäubte ihn, die Glut ihres Körpers versengte sein Gehirn. Der rote Mantel umhüllte ihn wie eine Flamme. Und draußen brauten die kalten Nebel und verlöschten von neuem den Mond, Land und Meer in schmutzige, feuchte Finsternis hüllend.

Auf dem Kirchhof zu P..... schlug es elf Uhr, als Lars mit Nizam in das Freie trat.

Ein steifer Wind hatte sich erhoben.

Lars hielt die Geliebte fest im Arme, als er mit ihr den Wattstrom überschritt, um sie nach Hause zu geleiten.

Einmal schreckte Nizam zusammen und blieb plötzlich stehen. Es war ihr, als habe sie in der Richtung nach ihrem Hause einen Lichtstrahl beobachtet, der sich durch den Nebel rang.

O, es war wohl nur Täuschung, die Nachwirkung des hellen Feuers im Turme, in das sie so lange geblickt.

Sie sprachen kein Wort. Es war zu herrlich, dieses schweigende Wandern in der grauen Leere, gerade als ob sie ganz allein auf der weiten Welt wären. Sie verzögerten ihre Schritte. Über das ganze Meer hätten sie so wandern mögen, dicht aneinander gedrängt.

Plötzlich fühlten sie Land unter ihren Füßen; Norderoog war erreicht, und dort hob sich schemenhaft ein schwarzes Etwas aus dem Nebel — die Hütte Hennings!

Lars schüttelte jetzt der Frost. Der Traum war zu Ende, er mußte zu Ende sein, er durfte das Haus nicht betreten.