In dem abenteuerlustigen Henning, den das Geschick auf allen Meeren umhergetrieben, erzeugte diese Winterruhe die tollsten Pläne, und er zögerte nicht, sie mit dem jungen Paare zu besprechen. Da war nichts unmöglich, alles zu erringen, zu erreichen. Wenn er auch sein ganzes Leben lang Pech gehabt, er wolle den P.....er Schlafmützen schon noch zeigen, zu was er fähig sei. Alle Meere, alle Länder mit ihren geheimen Schätzen tauchten auf vor dem atemlos lauschenden Lars, nichts schien unmöglich, nichts zu gewagt, tausendfältig winkte das Glück, der Reichtum, und die Heimat erschien dagegen in grauer, hoffnungsloser Öde. Wenn das Frühjahr kam, ging es los. Hennings Schiffbruch war kein so vollständiger, als er den Leuten glauben machte, er hatte schon noch etwas gerettet, um von neuem anfangen zu können.

„Und Lars geht mit,‟ sagte dann Nizam, „oder willst du wieder die Gänse hüten und Krabben fangen mit deinem Knut?‟

Da stieg ihm das Blut in das Antlitz, und er schwur Henning, daß er ihm dienen wolle, wie ein Knecht, treu und ehrlich, wie je ein Halligmann. Oh, wenn nur das Frühjahr schon da wäre!

Und es kam jähe in wildem Ansturm, wie man es schon gewohnt hier zu Lande, mit Wogengischt und Sturmgebraus, als ob es gelte, den grimmigsten Winter auszupeitschen.

Neues Leben zog ein in P....., überall wurde gestrichen, geteert, frisch aufgetakelt, der Wandertrieb regte sich in all den breiten Männerbrüsten. Selbst Knut erwachte und pfiff und sang leise vor sich hin, rüstete seine Boote im Wattstrome, und Lars half ihm dabei, mit einem ihm fast ungewohnten Eifer. Das war's wohl, was Knut mehr freute, als Frühjahr und Meerfahrt.

An die Stelle des Zorns über den leichtsinnigen Lars, der sich von der Indierin den Kopf verrücken ließ, war längst das Mitleid getreten mit dem Liebling, den er aufgezogen wie ein zweiter Vater, ein herber Kummer — hatte er es doch an sich selbst erfahren, wie rasch das Gift wirkt —; nun ist er glücklich Herr worden darüber, hat alle Luken davor sorgsam verschlossen — redete er sich ein — was konnte der arme Lars dafür, daß es ihm nicht so gelang, er war ja noch ein Kind gegen ihn.

Mit Gewalt war da nichts auszurichten, auch nicht mit Worten, das sah er bald ein. Wenn nur der Winter bald vorüber war, nichts Schlimmeres als das Nichtsthun und Träumen in solchem Falle, nichts besser als frischer Meerwind um Kopf und Herz, und Arbeit, — Arbeit. So hoffte er auf das Frühjahr, und es hatte ihn, wie es schien, nicht betrogen.

Er behandelte ihn, wie einen wiedergewonnenen Sohn, mit doppelter Liebe; ganz weich wurde der Knut, und Lars erwiderte die Liebe und that, als ob er etwas gut zu machen habe. Nur die Mutter, welche die böse Gicht an den Lehnstuhl fesselte, betrachtete ihn mit mißtrauischen Augen. Dieser Farb- und Stimmungswechsel gefiel ihr nicht an Lars, das war nicht Halligart. Sie wartete nur auf eines, auf Nachricht, daß die Hennings glücklich die Anker gelichtet auf Norderoog, eher war nichts zu machen mit dem Jungen. Das konnte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Überall ging es schon an das Abschiednehmen, rüstete man die Fahrt, sei es im fremden Dienst, sei es auf eigene Faust.

Auch Lars sollte fort. So schwer es auch Knut und der Mutter ankam, es mußte sein, nur den Sommer über, auf kurze Fahrt. Knut hatte bereits mit einem Husumer Reeder Verhandlungen gepflogen. Er selbst mußte ja auf dem Anwesen bei der Mutter bleiben, so sehr es ihn auch, gerade heuer, hinausdrängte.

Ein warmer Regen war gefallen, das Meer frei vom Eise, soweit das Auge blickte. Lars war gestern nach Husum gefahren, um sich seinem künftigen Herrn vorzustellen und die nötigen Einkäufe zu machen für die Fahrt, heute abend sollte er mit dem Postschiff zurückkehren.