Der gute Junge weinte, als er von der kranken Mutter sich verabschiedete, als gelte es schon die große Fahrt, — das echte Nesthäkchen.
Knut erwartete ihn an der Landungsbrücke von P..... Kein Lars auf dem kleinen Dampfer. „Wird wohl den neuen Kameraden in die Hände gefallen sein, dem lockeren Völkchen. Wenn er so anfängt, kann es gut werden.‟ Knut packte die Unruhe. Der innige Abschied von der Mutter fiel ihm jetzt erst auf.
Unwillkürlich warf er einen Blick hinüber auf Norderoog; die sinkende Sonne vergoldete das kleine Häuschen am Strande. Schlimme Gedanken kamen ihm, eine fliegende Angst. Er bog vom Wege ab und eilte dem alten Turme zu, der jetzt purpurn erglühte im Glanz des scheidenden Lichtes; von da aus konnte er sehen, was er sehen wollte.
Die Fensterläden waren nicht verschlossen, und doch machte das Ganze den Eindruck völliger Verlassenheit, kein Rauchwölkchen drang aus dem Kamin — plötzlich, was war das? Ein seltsames Geräusch drang bis herüber, unartikulierte, nie gehörte Töne, wie sie nur die Todesangst einem Geschöpfe erpressen kann — dazwischen, oder war es Täuschung? — es mußte Täuschung sein — „Lars! Lars!‟
Die Flut war noch aus, nur leichtes Gerinnsel drängte sich in verschlungenem Gezack durch den harten Schlick. Knut besann sich nicht mehr und watete hinein; teils trug er ihn, teils hielt er ihn mit zähem Griffe fest, — und immer näher drang das Geräusch, der verzweifelte Ruf: „Lars! Lars!‟
Jetzt kam ihm die Erinnerung, — eine böse, verhaßte Erinnerung. Damals in der Nebelnacht, als er den Bruder bei ihr traf, rief es gerade so heraus: „Ich hasse dich, wie ich deinen Bruder liebe!‟ rief sie, dann fiel die Thür zu hinter ihr.
Die Sorge um Lars hatte ihn hergetrieben, — die Sorge um Lars? Da mußte er stille halten, der Schlick hielt seine beiden Füße umklammert.
Er lachte gell auf. „Betrüge dich nicht selbst, die Eifersucht, ein wildes Verlangen nach dem schwarzen Mädchen trieb dich her!‟
Und von neuem stieg es in ihm auf, glühendheiß, vom Herzen zum Kopf, wie damals. Gewaltsam riß er sich los und stampfte weiter. Und immer toller rief es: „Lars! Lars!‟ Jetzt ohne Unterbrechung.
Er stand vor der Thür, er mußte Atem schöpfen, — wenn sie doch drinnen wäre, allein, krank, vielleicht hilflos — verlassen. Der alte Henning wird oft schwer betrunken in Husum gesehen.