Nizam nickte mit dem Kopfe. „Die Not! Nichts sonst, verlasse dich darauf, der Kleine hier, — mein Knut!‟ Das Weib sank in die Knie und drückte schluchzend das Kind an sich.
Knut preßte die Fäuste zusammen. „Knut heißt er? Wirklich Knut? Und Lars — Lars hat ihn so genannt? Ich bin ganz wirr — du mußt schon — komm, Nizam, — bei dem Wetter mit dem armen Kind?‟ Er hob mit bebenden Händen das Weib vom Boden auf und führte es zu dem Sitz am Herde.
„Jetzt erzähl' mir von Lars! Er lebt ja — sagst du, — der Lars —‟
Und Nizam erzählte von Lars, während der kleine Knut, von der behaglichen Wärme gelockt, aus der mütterlichen Hülle kroch und mit Babe sein Spiel trieb. Sie erzählte von der letzten Stunde, die sie mit Lars verlebt, wie er noch an die Mutter gedacht, und des Bruders, wie das Heimweh ihn beschlichen, von ihrem qualvollen Warten, von dem Kapitän, der taub gegen ihre Bitten, der sie eingeschlossen wie eine Wahnsinnige, von den furchtbaren Wochen, die nun folgten, verlassen, hilflos unter den rohen, lüsternen Männern, bedrängt von dem Kapitän, der sie als seine willkommene Beute betrachtete, — und sie immer festen Glaubens an Lars' Rettung. Die „Halland‟ selbst litt schwer Schaden im Sturme, nach Monaten liefen sie erst in einem kleinen Hafen Norwegens ein.
Da stand sie nun, entweder die Beute des verhaßten Mannes, oder des Elendes! Sie wählte das letztere. Der Winter stand vor der Thür. Sie verdingte sich als Magd. Im Frühjahr genas sie eines Knaben.
Jetzt mußte er ja zurückkehren, der Lars, oft kam es vor, daß das Eis verirrte Fischer den Winter über zurückhält, — aber er kam nicht, nur die Not kam, die bitterste Not! Niemand wußte etwas von Lars und dem Vater in dem Bureau der Reederei, zu welcher die „Halland‟ gehörte.
Im Sommer ging es. Sie arbeitete auf dem Felde, um den Kleinen zu ernähren. Lars kam immer noch nicht, — aber der Winter kam. Sie fühlte sich krank und schwach, jetzt galt es das Leben des kleinen Knut.
Es gab nur zwei Wege — zurück zu dem Kapitän der „Halland‟, er wird ihr nicht die Thür weisen, was er auch begehrt dafür, — es gilt das Leben ihres Kindes, — oder zu dem Bruder des Lars nach P.....
„Du siehst, wie ich gewählt, jetzt verstoße mich, liefere mich dem Gerichte aus, was du willst, nur den Kleinen nimm auf, das Kind deines Lars.‟
Knut verlor keinen Blick von Nizam. Sie erschien ihm jetzt wieder so blühend wie damals, als er sie zum ersten Male sah im Hause der Mutter, nur das Hexenhafte war völlig verschwunden, der sündhafte heiße Blick, der sein Blut damals sieden machte; es war nur noch Mitleid, liebevolles Mitleid, das er für sie empfand.