Hudo̱ Kajo̱, als Geister verkleidete Männer.
In den letzten Tagen vor der Maskerade haben besonders die jungen Leute vollauf mit den Vorbereitungen zu tun. Die ursprüngliche Bedeutung dieses Maskenspiels lässt sich nur noch an dem Geistertanz, den die jungen Männer aufführen, erkennen. Das Spiel wurde, wahrscheinlich weil der Stamm nun zum ersten Mal wieder beisammen wohnte und als Ganzes das Fest feierte, gerade jetzt vollständig aufgeführt, was bei meinem vorigen Aufenthalt und auch im folgenden Jahr nicht mehr der Fall war.
Ihrer Überzeugung gemäss, dass die Geister mächtiger sind als die Menschen, nehmen die Kajan an, dass, wenn sie die Gestalt der Geister nachahmen und deren Rollen erfüllen, sie auch Übermenschliches zu leisten vermögen. Gleichwie ihre Geister also die Seelen der Menschen zurückzuholen im stande sind, glauben diese, auch die Seelen des Reises zu sich heranlocken zu können. Zu diesem Zwecke handhabt die Hauptperson beim Maskenspiel einen langen, hölzernen Haken (krawit bruwa), dessen Schaft teilweise zu langen, feinen Spänen zerschnitten und mit diesen verziert ist (Siehe Taf.: hudo̱ kājo̱). Die Darsteller treten in einem bestimmten Augenblick hinter einander in eine Reihe und reichen einander hinter der Hauptperson, die voranschreitend den langen Haken in die Höhe hebt, die Hand. Hierauf macht der Vordermann, und mit diesem zugleich auch die ganze Reihe, eine Bewegung, als wolle er mit dem langen Haken etwas zu sich heranholen, nämlich die Seelen des Reises, die sich bisweilen zum Kapuas und Barito verirren.
Holzmasken.
Wie wichtig die Bahau es finden, dass sich die Reisseelen stets in ihrer Nähe aufhalten, ersieht man daraus, dass Bĕlarè die Missernten der letzten Jahre dem Umstande zuschrieb, dass beim Verbrennen seines Hauses durch die Batang-Lupar auch die Reisseelen vertrieben worden waren. Da Geister nach Auffassung der Kajan nicht sprechen können, dürfen auch deren Darsteller kein Wort äussern, da sie sonst Gefahr laufen, tot niederzufallen.
Entsprechend ihrer Vorstellung, dass die mächtigen Geister mit allem, was ihnen selbst schreckenerregend vorkommt, ausgestattet sind, verwandeln sich die jungen Männer in stark behaarte Wesen mit grossen Augen, riesigen Hauern und grossen, mit den Eckzähnen der Panther verzierten Ohren. Eine mit den schönen Schwanzfedern des Rhinozerosvogels geschmückte Kriegsmütze und ein Schwert vervollständigen das Kostüm.
Um die starke Behaarung nachzuahmen, werden grosse Bananenblätter seitlich ausgefranst und mit dem Hauptnerv um den ganzen Körper gewickelt, der auf diese Weise in eine unförmliche grüne Masse verwandelt wird.
Mehr Mühe kostet die Herstellung der grossen Masken aus leichtem, weissem Holz (hudo̱ kājo̱), die besonders bei den Kajan und Long-Glat sehr kunstgemäss und sorgfältig geschnitzt werden. Gewöhnlich stellt jeder junge Mann seine eigene Maske her, aber einige besonders Geschickte legen bisweilen an die der anderen die letzte Hand an. Obwohl die Linien und Flächen der Masken sehr grotesk sind, werden sie doch stets deutlich und symmetrisch ausgeführt; auch die später angebrachte Malerei zeugt von dem Farbensinn, der diesen Stämmen eigen ist. Das Gesicht besteht aus einem einzigen Stück, nur der Unterkiefer wird gesondert angebracht, um ihn während des Tanzes klappernd bewegen zu können. Sowohl im Ober- als im Unterkiefer werden die grossen Hauer mittelst hölzerner Stifte befestigt. Wenn möglich, stellt man die Augen durch Deckel von Spiegeldosen, sonst aber durch Deckel der runden, kupfernen Beteldosen dar.