Die ethnologischen Resultate betreffs des Charakters der Bahau und Kĕnjabevölkerung haben für die Beurteilung und Behandlung dieser auf niedriger Kulturstufe stehenden Völker neue Gesichtspunkte eröffnet. Diese sind im Lauf des Werkes bereits ausführlich erörtert worden und kommen weiter unten in Verbindung mit den politischen Resultaten nochmals zur Sprache.
Von den ethnographischen Sammlungen, welche sich alle auf die Stämme Mittel-Borneos beziehen, wurden etwa 800 Gegenstände der letzten Reisen dem Reichs-Museum für Ethnographie in Leiden übergeben und etwa 300, welche auch die von den Kĕnja herstammenden umfassen, im Museum der Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft zu Batavia deponiert. Von den Leidener Ethnographica wurde in diesem Werk häufig Gebrauch gemacht; alle Gegenstände werden in dem beschreibenden Katalog, den das Museum nächstens über die Abteilung Borneo herausgibt, behandelt werden. Da an den beiden letzten Reisen keine Fachgelehrten auf dem Gebiete der Zoologie, Botanik und Geologie teilnahmen, musste ich mich darauf beschränken, die Sammlungen derart anzulegen, dass sie später von berufener Hand mit Erfolg bearbeitet werden konnten.
Die zoologische Sammlung, von der besonders die Fische und Vögel bemerkenswert waren, ist grossenteils dem Museum für Zoologie in Leiden zugewiesen worden; ein kleiner Teil wurde demjenigen auf Buitenzorg abgetreten. In mehreren Sendungen wurden dem Leidener Museum ungefähr 1500 Vogelbälge von 209 verschiedenen Arten, unter denen eine neue, einverleibt. Zu meiner Genugtuung unterzog sich der frühere Konservator der Vogelabteilung Dr. O. Finsch trotz vieler anderer Beschäftigung der Bearbeitung dieser Sammlung und führte sie in vorzüglicher Weise zu Ende. Die Arbeit ist in den “Notes for the Leyden Museum” Vol. XXVI publiziert worden.
Auch die 659 Exemplare zählenden Fischsammlungen, die auf den beiden letzten Reisen zu einer Anzahl von 117 Arten anwuchsen und 1 neue Familie, 6 neue Gattungen und 54 neue Arten ergaben, fanden, bearbeitet in Professor Dr. L. Vaillant in Paris, der mit den Fischen von der Expedition 1893–94 auch einen Teil der in den Jahren 1896–97 gesammelten untersuchte und in Dr. C.M.L. Popta in Leiden, die sich mit grossem Eifer und Erfolg der mühevollen Bearbeitung und Beschreibung der grossen Anzahl auf den beiden letzten Reisen gesammelten Fische widmeten. Vol. XXVII der “Notes from the Leyden Museum” wird von der letzten Arbeit völlig eingenommen.
Sowohl die lebenden Pflanzen als die getrockneten wurden dem botanischen Garten in Buitenzorg übergeben. Von ersteren überstanden viele die Reise und wurden in den von diesem Institut herausgegebenen Werken beschrieben. Auch einige Familien des Herbariums, das im ganzen über 2000 Nummern umfasste, fanden Bearbeiter; den Farnen widmete sich Dr. H. Christ in Basel, den Moosen Dr. M. Fleischer in Berlin; diese Arbeiten wurden vom Institut in Buitenzorg veröffentlicht.
Die geologischen Sammlungen, die aus den bis dahin gänzlich unbekannten Flussgebieten des Mahakam und Kajan (Kedjin, Bulungan) stammten, wurden dem geologischen Museum der Universität Utrecht übermittelt, weil sie dort zur Ergänzung der von Prof. Dr. G.A.F. Molengraaff im Jahre 1894 gesammelten Gesteine aus dem Kapuas- und Baritogebiet dienen konnten.
Die Resultate einiger Untersuchungen auf anthropologischem und medizinischem Gebiet, die gesondert veröffentlicht worden sind, finden wir in diesem Werke bereits erwähnt. Die anthropologischen Messungen sind durch Dr. J.H.F. Kohlbrugge bearbeitet und unter No. 5 der 2. Serie der “Mitteilungen aus dem niederländischen Museum für Völkerkunde” herausgegeben worden.
Wegen der Bedeutung, welche die sehr verbreitete Hautkrankheit Tinea albigena für die indischen Truppen des niederländisch-indischen Heeres und die inländische Bevölkerung im allgemeinen besitzt, veröffentlichte ich im Jahre 1904 eine Abhandlung über das bisher noch nicht beschriebene Krankheitsbild dieses Hautparasiten. (Deel 49 afl. 5 van het Geneeskundig Tijdschrift voor Ned.-Indië).
Wenden wir uns jetzt den Arbeiten auf topographischem Gebiet zu.
Eine sorgfältige Aufnahme des durchzogenen Gebiets gehörte besonders auf der letzten Reise zu unseren Hauptaufgaben, weil sie zur Erlangung einer gründlichen Einsicht in die geographischen Verhältnisse Mittel-Borneos und zur Festsetzung der Grenzen gegen Sĕrawak dringend notwendig war. Nur der langen Dauer dieser Reise war es zu danken, dass wir mit den sehr bescheidenen Mitteln, die uns in dieser Beziehung zur Verfügung standen, die nachfolgenden Resultate erzielten. Von jeder Gelegenheit Gebrauch machend gelang es mir, den Sergeant Topographen Bina in den Stand zu setzen, nicht nur mit Tranche-Montagne und Messstab den von uns zurückgelegten Weg zu messen, sondern diese Messung zugleich als Basis für die Aufnahme zahlreicher Nebenflüsse zu benutzen; ebenso wurde von dieser aus 3 Mal die Wasserscheide gegen das Baritogebiet erstiegen, um letztere festzusetzen. Ferner wurden zur Gewinnung von Beobachtungspunkten für die Aufnahme des Gebirgsterrains eine grössere Anzahl Berge bestiegen. Im Interesse dieser Arbeit wurde auch der Mahakam bis zu stillen Quellen hinaufbefahren und bei dieser Gelegenheit die Grenze gegen Sĕrawak bestimmt.