Nach meiner Abmachung mit Bier schlug ich unser Lager im Tal des Sĕliku an der Stelle auf, die er mit seinen Messungen um 4 Uhr nachmittags erreichen sollte. Inzwischen hatte ich Zeit, das Flussgeschiebe zu untersuchen und mir einen Felsblock anzusehen, den die Bahau seiner Eigenartigkeit wegen batu ham (Schuppentier) nennen. Es war ein Basaltblock, der im Fluss, vom Ufer halb verborgen, lag und ganz aus aneinander schliessenden Basaltsäulen bestand; die eine Seite trug deutliche Rinnen, die andere, an der die Säulen abgebrochen waren, hatte eine schuppige Oberfläche. Später fand ich, u.a. oberhalb des Kiham Matandow, noch mehr derartiger Blöcke, die augenscheinlich besser als ihre Umgebung der Erosion Stand gehalten hatten.
Im Lager übergaben wir unsere durchnässten Kleider und andere Gegenstände sogleich den Malaien, die sie in die Sonne zum Trocknen aushängten; doch wurde ihre blosse Haut von Bienen und Wespen so sehr misshandelt, dass sie es kaum bei der Arbeit aushielten.
A m anderen Morgen beschloss ich, zu versuchen, über den Lasan Towong bis zu unserem Lagerplatz am Sĕlirong vorzudringen. Da Bier mich an diesem Tage schwerlich einholen konnte und ich am Sĕlirong noch die Böte und andere notwendige Dinge für die Abfahrt vorbereiten lassen musste, gab ich Bier Proviant mit und alles, was er zum Übernachten nötig hatte, damit er uns später langsam folgen konnte.
Nach dem Frühstück brach ich unverzüglich auf, um auch die Leute zur Eile anzuspornen; ich wollte nämlich noch den Gipfel des Lasan Towong teilweise aushauen lassen, damit Bier einige wichtige Peilungen vornehmen konnte. Wie sehr ich in den letzten Tagen trainiert worden war, merkte ich daran, dass ich ohne Unterbrechung die ersten 400 m bis auf den Rücken zurücklegte, auf dem auf- und absteigenden Grate, der uns auf dem Hinwege wohl 10 Mal zum Ausruhen gezwungen hatte, weiter marschierte und nur da Halt machte, wo das Gestein eine Untersuchung verlangte. Dieses bestand ganz aus verwitterten ziegelroten Schiefern, die zu dem ungefähr nach Nord-Süden sich erstreckenden Bergrücken senkrecht standen. Einige weisse Adern eines verwitterten Minerals, wahrscheinlich Quarz, unterbrachen den einförmig roten Ton der Schiefer.
An den sehr steilen Abhängen des Lasan Towong wuchsen keine Bäume, daher ging das Aushauen des Gipfels schnell von statten. Wir sahen von hier aus in das Tal des Sĕlirong, der südlich von dem hohen Rücken strömt, der ihn vom Tĕkĕn scheidet. Das Tal setzte sich um das östliche Ende dieses Rückens fort, was meine Vermutung, dass der Sĕlirong auf dem Batu Tibang oder in dessen unmittelbarer Nähe entspringt, zu bestätigen schien. Nirgends waren helle Bergwände zu sehen, sondern nur mehrere Reihen dunkelgrüner, von Ost nach West ziehender Ketten, die von anderen, nordsüdlich gerichteten Ketten durchkreuzt wurden.
Nach vollbrachter Arbeit brachen wir bereits um 3 Uhr zu unserem Lagerplatz auf, der nur noch eine Stunde entfernt war. Dort fanden wir alles, wie wir es verlassen hatten, und in kurzer Zeit waren auch unsere Zelte wieder aufgeschlagen. Das Wasser im Sĕlirong war etwas gestiegen und zum Baden beinahe zu kalt.
Den folgenden Tag schienen meine Leute als Ruhetag ausersehen zu haben, denn sie waren nicht dazu zu bewegen, im fischreichen Sĕlirong Fische zu fangen und als Vorrat für die weitere Reise zu räuchern; sie taten nur das Notwendigste und sammelten im übrigen neue Kräfte.
Um den Sĕlirong weiter aufwärts zu erforschen, begab ich mich mit einigen Männern zu Fuss das Flussbett hinauf und liess für das Passieren der tieferen Stellen ein Boot nachschleppen. Da dieses jedoch durch den Transport litt, gingen wir nicht weit, was übrigens auch nicht notwendig war, da ich bereits in der Nähe unseres Lagerplatzes, deutlicher als im Sĕliku, auf senkrechten Schiefern beinahe wagrechten Sandstein angetroffen hatte. Ausserdem liessen sich aus dem Befund der Geschiebebänke in Verbindung mit dem eigentümlichen Aussehen des Batu Tibang interessante Schlussfolgerungen ziehen. Während nämlich der Sĕliku ausschliesslich Schiefer, Quarz, Basalt und Sandstein mit sich führt, besteht das Geschiebe des Sĕlirong aus sehr verschiedenartigem vulkanischem Gestein und Schiefer, was unsere Vermutung, dass der Sĕlirong seinen Ursprung in einem vulkanischen Gebirge nimmt, beinahe zur Gewissheit machte.
Abends langte auch Bier im Lager an. Er hatte die letzte Strecke Wegs noch nicht gemessen und begab sich daher am folgenden Morgen gleich nach Sonnenaufgang zurück, das Versäumte nachzuholen, während wir das Essen kochten, das Gepäck in die Böte luden und alles zur Abreise vorbereiteten. Auch für die Flussfahrt sollte sich unsere Gesellschaft teilen: indessen Bier mit drei Böten den zurückgelegten Weg immer weiter sorgfältig aufnahm, wollte ich allein den Fluss hinunterfahren, um geologische Untersuchungen vorzunehmen. In nicht allzugrossem Abstand wollte ich dann einen geeigneten Lagerplatz suchen und Bier dort erwarten, damit wir wenigstens nachts alle vereinigt wären; dieser Plan wurde in den nächsten Tagen auch stets eingehalten. Abends, nach dem Aufschlagen der Zelte, fanden die Leute noch reichlich Zeit, um Fische zu fangen. Einmal schloss auch ich mich den Fischern an. Sie liessen unser etwas zu grosses Boot von der Strömung still hinunter führen und trieben die grossen Fische, die man im kristallklaren Bergwasser noch in Grosser Tiefe schwimmen sah, vor uns her nach flacheren Stellen. Hier schleuderte der an der Bootsspitze stehende Mann seinen Speer auf den Fisch. Traf die Waffe schief, so riss sie beim Abgleiten einige Schuppen ab; bei grossen Exemplaren konnte ich sogar den Aufschlag der Speerspitze auf den Fisch hören. Meist gelang es dem Fischer unwillkürlich, der trügerischen Tiefe des Wassers Rechnung zu tragen und den Speer mitten durch das Tier zu treiben, worauf er sich sogleich auf die Beute warf, bevor sie ihm davonschwamm. Einmal traf der Mann einen Fisch unmittelbar oberhalb einer Stromschnelle, die das Tier, die lange Lanze im Leibe, noch hinunterschwamm. Wir sahen den Stock in und über den schäumenden Wassermassen auf- und niedergehen, bis wir uns ein grosses Stück weiter, in ruhigerem Wasser, seiner und mit ihm des grossen Fisches bemächtigten. Sogar nur 3 dm lange Fische trafen meine Begleiter noch mit dem Speer, aber meist schnitt dieser sie mitten durch und die Stücke sanken und trieben abwärts. In der Regel werden aber Fische unter 4 dm Länge mit dem Wurfnetz gefangen.