Der eine Teil zog an den oberen Mahakam, wo er heute noch im Tal seines Nebenflusses, des Mĕrasè, wohnt; der andere Teil begab sich in das Gebiet des oberen Kapuas, wo er jetzt am Mendalam lebt. Bevor er sich jedoch hier niederliess, bewohnte er lange Zeit das Tal des Sibau, in welches er längs dem Batang-Rèdjang, auf dem heute noch gebräuchlichen Wege, gelangt war. Obgleich es sicher 150 Jahre her sind, seit die Mendalam Kajan dort wohnten, machen ihre Häuptlinge doch jetzt noch auf diese Gebiete und besonders auf die damals gepflanzten Fruchtbäume Ansprüche geltend. Während ihres Aufenthaltes am Sibau trennte sich auch dieser Zweig nochmals; ein Teil blieb am oberen Kapuas, der andere fuhr den Fluss hinunter und liess sich an verschiedenen Orten des Hauptstromes bis unterhalb Sĕmitau nieder. Aus verschiedenen Ursachen nahmen seine Glieder hier aber so stark an Zahl ab, dass ihre Häuptlinge beschlossen, zum alten Zweig am oberen Kapuas zurückzuziehen. Sie wurden dort aufgenommen, nachdem sie sich eidlich verpflichtet hatten, nicht wieder fortzuziehen. Als sie später trotz ihres Eides wiederum den Kapuas abwärts auswanderten, gingen sie dort aus unbekannten Ursachen völlig zu Grunde. Die drei überlebenden Kinder aus der Häuptlingsfamilie wurden von dem alten Stamm wieder aufgenommen und verbanden sich durch Heirat mit ihren früheren Stammesgenossen.

Auch dieser sesshaftere Teil der Bahaustämme wechselte seinen Wohnplatz, sei es aus Mangel an geeignetem Boden für seine Reisfelder, sei es, weil er an einem bestimmten Ort zu stark von Krankheiten, die von den vielen dort hausenden Geistern ausgehen sollen, heimgesucht wurde.

Im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts erhielten die Kajan den unerwünschten Besuch von Scharen ihrer Verwandten aus dem Gebiet des oberen Mahakam. Diese waren damals sehr mächtig und zogen unter Anführung zweier grosser Long-Glathäuptlinge, Lĕdju und Ibau, durch ganz Mittel-Borneo brandschatzend umher. Während aber das Haus der Taman am Mendalam und viele andere am Kapuas von ihnen verwüstet wurden, blieb das der Kajan am Mendalam verschont und zwar, der Überlieferung nach, aus dem Grunde, dass Lĕdju, durch das Erscheinen eines aussergewöhnlich grossen und starken Kajan, namens Bang, erschreckt den Kampf einstellte. Im Friedensschluss kam man überein, dass Tipong Aging, die Tochter des vornehmsten Kajanhäuptlings, Ledju als Gattin an den Mahakam folgen sollte.

Fährt man heute den Mendalam einige Stunden weit aufwärts, so trifft man zuerst die Niederlassung von Tandjong Karang, bewohnt von dem Stamm, genannt Kajan Uma-Aging; etwas weiter oben, in Tandjong Kuda, wohnt ein anderer Teil des gleichen Kajanstammes, während noch weiter oben am Fluss die Ma-Suling und der Stamm Uma-Pagong gemeinsam wohnen. Der Rest des Tamanstammes, der vor der Ankunft des Lĕdju sehr stark war, lebt jetzt teils mit den Ma-Suling und Uma-Pagong, teils mit den Kajan in Tandjong Karang zusammen.

Die Kajan Uma-Aging haben sich erst vor wenigen Jahren infolge von Zwistigkeiten in der Häuptlingsfamilie getrennt. Sie wohnten früher gemeinsam in Tandjong Karang, aber neben Sĕniang, dem Manne der Bulan, die eigentlich allein erbberechtigter Häuptling war, hatte auch Akam Igau, der Gatte von Sĕniangs verstorbener Schwester, viel Einfluss und Ansehen gewonnen; die beiden Schwäger konnten sich jedoch nicht vertragen. Als Sĕniangs Sohn Tigang einst einen heftigen Streit herbeiführte, zog Akam Igau mit einem grossen Teil der freien Kajan und Leibeigenen an das gegenüberliegende Ufer und. baute sich dort ein neues Tandjong Karang. Auch Sĕniangs Familie zog später mit dem Rest der Kajan weiter den Fluss hinauf und liess sich in dem jetzigen Tandjong Kuda nieder. Seit ungefähr zehn Jahren wohnen diese Häuser oder Stämme nun getrennt in kleinem Abstand von einander und die gegenseitigen Eifersüchteleien und Zwistigkeiten haben in dieser Zeit nicht abgenommen.

Trotz des vielen Herumschweifens haben die Kajan die ursprüngliche Organisation ihres Gemeinwesens nicht verändert.

Ein Stamm der Kajan besteht aus folgenden Gliedern: einem Häuptling (hipui), Freien ( panjin ) und Sklaven ( dipe̥n). Während der Häuptling stets einer bestimmten, bevorrechteten Familie angehört, setzen sich die Freien aus lauter Familien von der gleichen Rangstufe und den gleichen Rechten zusammen.

Die Leibeigenen sind meistens Nachkommen von Kriegsgefangenen und Eigentum des ganzen Stammes; ihre Arbeit kommt dem Häuptling zu Gute, der sie dafür zu unterhalten hat. Ab und zu werden Sklaven von den nomadisierenden Jägerstämmen, die sie auf ihren Kopfjagden erbeuteten, gekauft.

Die eingeborenen Sklaven und auch die, welche einmal das Haus ihrer Herren betreten haben, dürfen nie mehr verkauft und auch nie auf den Gräbern der Häuptlinge geopfert werden; zu letzterem Zweck wurden früher die gekauften Sklaven verwendet.

Wegen Schulden oder Missetaten wird bei den Bahau nie jemand zum Sklaven gemacht.