O meine Seele, was trauerst Du? Denke an die Vergangenheit, erinnere Dich an die Seufzer und die Leiden, damit ich dereinst mit den Farben der Wahrheit das Bild meines Unglücks entwerfen und die Unwissenheit der engherzigen, selbstsüchtigen Despoten schildern kann. –
Erinnere Dich an die Thaten eines unseligen, verworfenen Tyrannen! Verkünde, wenn Du es vermagst, die Handlungen des Autokraten, der, väterliche Gefühle und kindliche Liebe mißachtend, auf dem Scheiterhaufen des Vaterlandes die jugendliche Hoffnung Italiens als Brandopfer darbrachte, der die Stützen darbender Familien vom häuslichen Heerd hinwegriß, der Industrie die Kraft des Fortschritts raubte, um das erhabene Andenken der Freiheit zu schänden, und dem Bajonett, dem Galgen und der Galeere das Recht gab, den letzten Gedanken der Unglücklichen zu Todesseufzern zu gestalten.
Du allein, o meine Seele, kannst in den Tagen des Unglücks die Klagen deuten, welche in diesem Kreise ertönen, wo Leiden, Kummer, Qualen und der Wille eines gesetzlich sanktionierten Vatermörders die jugendlichen Hoffnungen aus dem Herzen des jungen Soldaten reißen, um die fern weilenden Familien in Verzweiflung zu stürzen.
Nach drei Tagen suchte mich der Lieutenant Pietropaolo auf, er war trostlos über mein Schicksal und sagte, daß der Oberst anfänglich die Absicht gehabt habe, mir zu verzeihen, in Anbetracht meiner Vorstrafen aber vorgezogen hätte, mich vor ein Kriegsgericht zu stellen; er flößte mir Mut ein und sagte, daß er meine Verteidigung vor Gericht übernehmen wolle.
Ich gab meine Aussage vor dem Untersuchungsrichter ab; am 13. Juli 1875 sollte die Verhandlung stattfinden.
Signor Pietropaolo kam wieder zu mir und teilte mir unter Thränen mit, daß seine arme Mutter krank sei, daß er infolge dessen Urlaub genommen habe und daß statt seiner der Advokat C…, der erste in Florenz, meine Verteidigung führen werde.
Der 13. Juli erschien; vier Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett unter Führung eines Sergeanten brachten mich zum Gerichtssaal; dort fand ich den Advokaten C…, einen schönen Mann mit langem schwarzem Bart. Er trat auf mich zu und sagte:
»Mut, M…, heute werden Sie frei sein; der Vorsitzende und die Richter sind gute Freunde von mir, der Staatsanwalt ist ein Bekannter von mir – was brauchen Sie zu fürchten?«
»Ich, Herr Advokat, fürchte nichts, und wenn es auch sicher wäre, daß mir schweres Unglück bevorsteht, ich bin gewöhnt zu leiden, lange habe ich an den Brüsten des Unglücks gelegen; Mut glaube ich zu haben, meine Seele zittert nicht in den Zeiten des Mißgeschicks.«
»Brav, M…, heute werden wir bei mir eine Flasche trinken.«