»Wenn wir nur nicht Fiasko machen!« antwortete ich.
Ich setze mich auf die Anklagebank, zum zweiten Mal in meinem Leben; meine Personalien und Antecedentien werden verlesen; der Staatsanwalt vergleicht mich mit den Räubern Kalabriens, der Verteidiger empfiehlt mich mit Stentorstimme der Gnade der Richter.
Nach einer Stunde erscheint der Gerichtshof, der sich zur Beratung zurückgezogen hat, wieder, und ich werde wegen Insubordination und thätlichen Widerstandes gegen einen Vorgesetzten zu drei Jahren Militärgefängnis und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt.
Der Gerichtshof entfernt sich, ich werde ins Gefängnis zurückgeführt; unterwegs treffe ich den Advokaten C…
»Nun, M…, wir müssen Berufung einlegen; das Urteil ist ungerecht, ich werde es aufheben lassen, ich werde –«
»Sachte, Herr Advokat,« unterbreche ich ihn, »kennen Sie nicht die Fabel von der Katze und der Maus?«
»Was Fabel, was Maus? Man hat Ihnen Unrecht gethan, wir müssen appellieren.«
»Hören Sie mich einen Augenblick an, Herr Advokat, und dann appellieren Sie, so viel Sie wollen.«
»Es war einmal ein Kater, der unter seinen nahen Verwandten eine arme kleine Maus hatte; diese rief: Onkel, Onkel; aber der gerufene Kater hörte die sanfte Stimme der kleinen Maus nicht. Als die andern Mäuse das jämmerliche Rufen hörten, sagten sie: Ihr eigener Onkel läßt sie so verzweifelt schreien; wenn, was Gott verhüte, wir mit den Grausamen zusammen kämen, die wir fremd sind, würden wir sicher umgebracht werden.«
»Sie, Herr C…, haben gesagt, daß der Vorsitzende und die Richter Ihre besten Freunde, daß der Staatsanwalt ein alter Bekannter von Ihnen wäre, daß also mit Rücksicht auf Sie, auf Ihre Freundschaft, die freundlichen Beamten mich freisprechen würden – nicht wahr?«