Von da kam ich in die Druckerei, einen großen langen Raum mit fünfzehn großen und zwanzig kleinen Pressen, ich mußte das große Rad einer Maschine drehen und bekam täglich zwanzig Centesimi; sechs Monate blieb ich dabei und im Schweiß meines Angesichts, arbeitend wie ein Ochse am Pflug, verdiente ich mein Brot und meinen Käse; nach diesen schweren sechs Monaten kam ich an eine Presse, wo ich mit einem braven jungen Toskaner zusammen arbeitete.

Meine schwache Feder sträubt sich, all' die Leiden und Qualen und Kümmernisse aufzuzählen, die ich in diesen harten zweieinhalb Jahren erduldet habe, ein Visconti Venosta, ein de Amicis, ein Francesco Mastriani könnte hunderte von Bänden damit füllen.

Italien hatte das Unglück, seinen Herrscher Viktor Emanuel II.[42] zu verlieren, und die armen Gefangenen erlebten die Freude, daß ihnen bei der Thronbesteigung König Humbert I. sechs Monate der Strafe durch eine allgemeine Amnestie nachgelassen wurden; am 19. Januar wurde durch das Kriegsgericht meine Strafe um sechs Monate gekürzt.

Da somit meine Strafe am 19. Januar 1878 verbüßt war, verließ ich das Militärgefängniß in Savona und wurde nach Nocera bei Salerno geschickt, wo sich mein Regiment befand. In Neapel machte ich Halt, um mich zwei Tage zu ruhen und nach zweieinhalb Jahren die lang entbehrte Freiheit zu genießen. Ich erreichte mein Regiment; an der Kasernenthür fragte mich der wachthabende Lieutenant:

»Kommen Sie vom Urlaub?«

»Nein«, antwortete ich, »ich komme aus dem Gefängnis zu Savona.«

»Kommen Sie herein und gehen Sie zu Ihrer Kompagnie – die wievielte ist es?«

»Die achte.«

»Korporal, führen Sie diesen Soldaten zur achten Kompagnie!«

Ein Schurke. – Unschuldig verurteilt.