Als der Feldwebel V… von meiner Kompagnie mich in meiner schlechten Kleidung und in dem durch die langen Leiden verursachten heruntergekommenen Zustand sah, betrachtete er mich einige Minuten lang und sagte dann, sich erhebend:

»Wie, M…, so sind Sie heruntergekommen?«

»Das Brot der Unglücklichen schmeckt bitter.«

»Wissen Sie, M…«, sagte er in mißachtendem Tone, »daß Sie sich zwei Tage versäumt haben; alle Soldaten und Offiziere wissen das, denn wir erwarteten mit Ungeduld Ihre Rückkehr. Der Kommandant ist von der Verspätung unterrichtet, ich kann nichts thun, um Ihnen eine Bestrafung zu ersparen.«

»Ich danke Ihnen, Herr Feldwebel, wenn der Herr Kommandeur meint, daß ich gefehlt habe, so wird er mich bestrafen und ich werde meine Strafe geduldig tragen.«

Tags darauf wurde ich vom Hauptmann dem Obersten vorgeführt.

»Endlich!« rief dieser, als er mich sah, »endlich! Sie kommen etwas spät, zwei Tage zu spät!«

»Herr Oberst«, erwiderte ich mit unterwürfiger Stimme, »ich habe in Neapel Rast gemacht, ich war zu müde, um die Reise fortsetzen zu können.«

»So reden sich faule Zahler aus«, sagte der Schuft von Hauptmann.

»Nun«, sagte der gütige Oberst in väterlichem Tone, ohne auf die höhnische Bemerkung des Hauptmanns einzugehen, »ich verzeihe Ihnen, aber ich empfehle Ihnen, sich von heute ab gut zu führen; ich weiß es nur zu gut, das Soldatenleben ist voll Leiden; aber wenn Sie brav sind, sollen Sie in drei Monaten die Korporaltressen haben – versprechen Sie es mir.«