»Hier ist meine Brust, lassen Sie schießen, aber rasch, ich sterbe gern, wenn ich unter der Knechtschaft der Tyrannen leben muß.«[50]

Nunmehr versucht der Lieutenant es im Guten:

»M…, kommen Sie zu sich, gehen Sie in Ihre Zelle, niemand soll Ihnen ein Haar krümmen, ich schwöre es bei meinen Tressen.«

Durch diese Worte beruhigt ging ich zurück, die Thür meiner Zelle schloß sich hinter mir und ich blieb allein mit meinen trüben Gedanken. Mein erster Gedanke war, das alte Messer aus dem Wege zu bringen, um den, der es mir gegeben hatte, nicht bloszustellen; ich sehe mich um und suche, aber finde keinen geeigneten Ort; es aus dem Fenster werfen, hieße es den Vorgesetzten direkt in die Hände liefern, denn das Fenster ging auf den Hof hinaus; aber ist es ein geheimnisvolles Gesetz des Zufalls, Gottes oder des höllischen Teufels: die Heißblütigen und Kopflosen werden gewöhnlich vom Zufall in ihren Gefahren, ihrem Mißgeschick begünstigt. So gelang es mir, das Messer zwischen die Bretter meiner Thür, die eine Art Doppelthür war, zu bringen und so das corpus delicti zu entfernen.

Nachts erschienen mehrere Offiziere und Chargierte, ich wurde an Händen und Füßen gefesselt und mit Schmähreden überhäuft, von denen mir nur eine zu Gemüt ging. Ein Lieutenant schlug mich mit der Scheide auf den Arm und sagte:

»Wenn ich dabei gewesen wäre, hätte ich Dich durchbohrt.«

»Bisher haben Sie mich mit Ihrem langen Säbel noch nicht durchbohrt und werden auch schwerlich dazu kommen«, erwiderte ich rasch.

»Mörder, Lump!« rief er zornig und gab mir eine Ohrfeige.

»Pfui, Elender«, zischte ich, »Elender, einen gefesselten Menschen zu ohrfeigen!« Und ich fuhr in die Höhe, um ihn zu beißen.

Die ganze Nacht saß ich gefesselt auf meiner Pritsche, meine Schmerzen waren furchtbar, unerhört; aber sie drückten mich nicht nieder – ich dachte an die Ohrfeige und nahm mir fest vor, wenn der Lieutenant mir wieder zu nahe kommen sollte, ihm die Nase abzubeißen.