Am Abend des folgenden Tages wurde ich nach dem Hof gebracht, das ganze Regiment war aufgestellt, ein Dienstwagen mit einem kräftigen Maultier bespannt, stand bereit; ich stieg ein, sechs Soldaten, vier Sergeanten und ein Offizier reihen sich darum. Der Wagen setzt sich in Bewegung, er hält an; die vier Sergeanten nehmen neben mir Platz; der Wagen setzt sich von neuem in Bewegung und führt einen Halbkreis im Hof; ich wende mich den schweigenden Truppen zu und grüße kalt und lächelnd mit der Hand und ein Ausruf erscholl aus allen Kehlen, ein Ausruf der Bewunderung.[51]

Der Wagen verließ die Kaserne in Begleitung der bewaffneten Soldaten. Nach zwei Stunden kamen wir in Cava dei Tirreni an, wo das Militärlazarett war; hier wurde ich in die Kleiderkammer geführt, ein Sergeant trug mich in ein Register ein und befahl mir, mich auszuziehen.

Während ich das that, näherte sich einer der Sergeanten, die mich eskortiert hatten, und flüsterte seinen Kameraden einige Worte ins Ohr.

»Herr Sergeant«, sagte ich, »es ist überflüssig, daß mein Sergeant mich Ihnen empfiehlt. Ich bin ein schlechter Soldat, ich komme vors Kriegsgericht, und wenn es mir glücken sollte, auszureißen, so würde ich nicht erst Lebewohl sagen, deshalb behalten Sie mich im Auge.«

Alle lachten und ich lachte mit.

Ich kleidete mich aus, legte ein Hemd von rauher Leinwand, ein Paar wollene Hosen an, die mit Flicken aller Art, in allen Farben, bedeckt waren, außerdem waren sie zu weit und vier Handbreit zu lang, aber ich krempelte sie um und so leisteten sie dieselben Dienste, dazu zog ich ein Paar Pantoffeln an, die Simson gepaßt hätten, sowie ein Rock, der mir bis auf die Fersen hing und mit Blut und Eiter befleckt war, so daß mir übel wurde; auf den Kopf stülpe ich mir eine Mütze, die bis über die Ohren geht; so im Paradeanzug stelle ich mich den beiden Sergeanten vor:

»Nun, was meinen Sie, könnte ich nicht auf der Bühne auftreten? Das wäre zu nett! Wenn Sie erlauben, würde ich als wandernder Mime gleich losziehen.«

Und ich trällerte ein Liedchen; beide lachten aus vollem Halse.

Ein Sanitätskorporal führte mich in meine neue Wohnung. Es war eine Zelle, die etwas länger war als mein Bett, ein kleines Fenster mit Gitter und einem Drahtnetz gesichert, ging auf das Feld hinaus, ein anderes großes breites vergittertes Fenster auf einen Korridor, eine hölzerne Bank, ein zinnerner Napf, ein ebensolcher Becher und ein Holzsessel machten das bescheidene Mobiliar aus.

Am folgenden Morgen höre ich einen neapolitanischen Gruß sagen, die Thür meiner Zelle öffnet sich und herein tritt ein Stabsarzt mit einem Sergeanten, man reißt mir die Bettdecke weg, der Arzt befühlt und besieht mich und sagt dann: