Um nicht zu weitschweifig zu werden und so viel unnützes Zeug zu erzählen, komme ich zum Nötigsten.

Eines Tages, um Mittag, da ich mich gerade niedergelegt hatte und im Begriff war, einzuschlafen, höre ich, wie an mein Fenster geklopft wird, ich öffne die Augen und sehe einen Stock, der an das Gitter klopft, ich erhebe mich von meiner Pritsche und klettere, mir die Schmerzen verbeißend, auf die Bank, die unter dem Fenster steht, und was erblicke ich? Ein reizendes junges Mädchen, siebenzehn Jahre alt, schön wie eine Madonna, mit schwarzen schmachtenden Augen, das goldene Haar in Zöpfen gebunden und auf dem Kopf durch ein rotes Tuch bedeckt, die Stirn marmorweiß und keusch.

»Was wünschen Sie, mein liebes Fräulein?« fragte ich.

Und sie sagte:

»Sie sind hier allein, Sie Armer! Wissen Sie, ich habe Mitleid mit den Soldaten; ich habe einen Bruder bei der Kapelle des 90. Regiments. Wenn Sie wüßten, wie ich Sie beklage … haben Sie eine Mutter, einen Vater?… woher sind Sie?«

»Ich bin verwaist, meine Eltern sind lange tot … ich bin aus Kalabrien und sehr unglücklich.«

»O Sie Armer!« beklagte mich das reizende Geschöpf. »Verwaist! Fern von der Heimat im Gefängnis eingeschlossen, ohne Hülfe, von allen verlassen« – sie weinte heiße Thränen – »aber wissen Sie, verlieren Sie das Vertrauen nicht, der liebe Gott lebt für uns Unglücklichen und er verläßt uns nicht, wenn wir auf ihn und seine Vorsehung vertrauen. Sagen Sie, Bruder, und erlauben Sie, daß ich Sie von jetzt ab mit diesem süßen Namen nenne; was haben Sie begangen und wie lange müssen Sie hier bleiben?«

»Ich weiß nicht, weswegen ich hier bin, aber ich glaube, ich werde hier zwei Monate lang bleiben müssen.«

»Es schmerzt mich, Sie so leiden zu wissen, aber ich werde Sie zu trösten versuchen, und Ihnen Gesellschaft leisten, ich werde meinen Papa und meine Mama mitbringen; ich werde Gott für Sie bitten so lange, bis ich das Glück habe, Sie frei zu sehen. Und wenn Ihnen jetzt etwas fehlt, so öffnen Sie Ihr zerrissenes Herz Ihrer armen Schwester.«

»Ich möchte ein Licht und Streichhölzer haben, weil man mich Abends im Dunkeln läßt, sowie etwas Papier, eine Feder und Halter, um meiner Familie zu schreiben und sie um etwas Geld zu bitten.«