Eines Morgens im Monat Juni 1878 saß ich auf meinem Bett, den Kopf zwischen den Händen und dachte an die Vergangenheit, klagte über Gott und seine Vorsehung, dachte an die Schändlichkeit des Korporals S…, an die Schlingen, die mir gelegt waren, dachte an den Brief, den der Hallunke von meinem Bruder mir geschrieben hatte, dachte an die heiße Liebe Teresina's, an die acht Lire, die sie mir geschickt hatte, an das Militärgericht zu Salerno, an den Präsidenten, an den Staatsanwalt Herrn T…, an meinen Verteidiger, an die kalten Richter, dachte an meine Unschuld, an meine ungerechte Strafe, dachte an S…

Da rief eine Stimme an dem Gitter:

»M…, M…, Sie werden verlangt!«

Verwirrt stehe ich auf und eile an das Gitter.

Es war ein Sergeant von meiner Kompagnie, der mit einem nach Salerno detachierten Bataillon hergekommen war; er sagte:

»M…, hol's der Teufel, ich habe das Individuum entdeckt, das mit eigener Hand den Brief an den Feldwebel V… geschrieben hat, S… soll den Brief diktiert haben, als Sie nicht zugegen waren. Ich habe den Namen vergessen, aber aus dem, was ich Ihnen sagen werde, können Sie leicht das Nötige ermitteln, nur nennen Sie meinen Namen nicht, denn beim Militär kann alles schief gehen.«

»Lassen Sie sich nach Nocera bringen, dort gehen Sie zur Strada Porteri, bis Sie einen großen Palast mit großem Thorweg sehen, daselbst befindet sich ein Hofraum mit mehreren Steinsitzen und dort wohnt ein junger Bursche von zwölf bis vierzehn Jahren, blond, blauäugig und anständig gekleidet, dieser hat den Brief nach S…'s Diktat geschrieben. Sie sind unschuldig, weiß der Teufel, und es ist nicht hübsch, einen Unschuldigen wegen der Schurkereien eines andern zu verurteilen.«

Er empfahl mir die größte Verschwiegenheit und ging.

Ich überlegte lange: Sollte das alles wahr sein? Und wenn auch, würde ich es beweisen können? Denn beweisen mußte ich es, wenn ich Anzeige erstattete, sonst lief ich Gefahr, wegen falscher Anschuldigung mindestens zu fünf Jahren verurteilt zu werden. Was war zu thun?

Endlich entschloß ich mich, alles zu gewinnen oder alles zu verlieren, und ich erstattete die Anzeige gegen S… wegen Meineides, indem ich mitteilte, daß ich die Person des Briefschreibers, die auf S…'s Befehl gehandelt habe, bezeichnen könnte, wenn ich nach Nocera geführt werde.