Tags darauf reisen wir nach Salerno ab; ich werde in mein Gefängnis zurückgeführt, der Staatsanwalt sucht mich auf und sagt wütend:

»Zum Teufel, warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Damals wollten Sie verurteilt sein, jetzt beteuern Sie Ihre Unschuld. Mit Ihrer Hartnäckigkeit haben Sie das ganze Unheil angerichtet, den Gerichtshof haben Sie in eine schöne Verlegenheit gebracht, jetzt müssen Sie an das Ministerium schreiben und um Erlaß der Strafe einkommen.«

»Verzeihung, Herr Staatsanwalt, wir wollen die Rollen nicht verwechseln. Ich habe es den Richtern geweissagt, daß ich verurteilt werden würde, aber daß bald meine Unschuld sonnenklar zu Tage treten müsse. Die Richter waren taub, als ich rief: Ich bin unschuldig, ich bin unschuldig.«

»Sie glaubten nur dem elenden Korporal S…«

»Jetzt kommen Sie und erzählen mir Geschichten, die kein Esel glaubt; anstatt mich zu bedauern, beklagen Sie sich über mich, daß Sie mich verurteilt haben – wissen Sie, daß unser Herrgott die Geduld dabei verlieren könnte? Wie sollte ich sprechen, wo ich alles noch nicht wußte! Erst nach meiner Verurteilung habe ich das erfahren.«

»Und wer hat Ihnen das alles enthüllt?«

»Die Hand Gottes.«

»Oder des Teufels,« antwortete er grinsend.

Wenige Tage später wurde der Korporal S… in das Gefängnis eingeliefert und zwar in den oberen Raum, wo die andern militärischen Angeschuldigten waren; es war uns strenge verboten, mit ihm zu verkehren.

Als ich wußte, daß S… mir nahe war, im selben Hause, als ich überlegte, daß ich um seinetwillen unschuldig ein Jahr lang leiden mußte, da kochte mir das Blut in den Adern, mein rachebrütender Kopf glich einem Vulkan, und mein entsetzlicher Durst nach persönlicher Vergeltung marterte mein Inneres, und wenn ich ihm in Nocera verziehen hatte, so hatte ich ihm damit die Strenge des Gesetzes ersparen wollen, aber nicht die Rache, die in meiner Macht lag, und die ich plante, nun wo er mir so nahe in die Hand gegeben war.[54] Ich war mit dem Wärter befreundet: ich bat ihn, mir ein scharfes Eisen zu besorgen und er verschaffte mir eine große scharfe und spitze Scheere, von der ich den Zapfen herausnahm, so daß ich im Besitz zweier prächtiger Dolche war; die eine Hälfte verbarg ich auf dem Abtritt, die andere in der Innentasche meiner Jacke.