Als Zivilist zu bezahlen kostete viel Geld und das hatte ich nicht, in Foggia konnte ich nicht bleiben – was war da zu thun?
Endlich faßte ich mir ein Herz und begab mich zur Militärbehörde, wo der Oberst mir den Vermerk in den Paß schrieb, daß ich Zivilkleider tragen dürfe. Erleichtert ging ich von dannen, tags darauf reiste ich nach Polenza, von da nach Catanzaro und dann nach Pizzo. Von hier ließ ich mich in einem Boot nach meinem Heimatort rudern; mein Neffe Francesco Antonio, der älteste Sohn meines Bruders erwartete mich. Ich betrete das Haus meines verstorbenen Vaters, es war Abend und die Nacht brach heran, mein Bruder umarmte mich und weinte vor Ärger, da er gewünscht hatte, daß ich das väterliche Dach nie wieder gesehen hätte; aber ihm lachte ja noch der süße Trost, daß ich von Mörderhand fiel oder an der Schwindsucht in irgend einem Krankenhause verendete.
»Wie Du elend aussiehst,« sagte er, tiefen Schmerz heuchelnd.
»Das macht nichts lieber Bruder; so sieht das Unglück aus, es ist das Werk des Hauptmanns Alessandro Ter…, der tausendmal verflucht sei; aber bald werde ich mich erholt haben; ich war schon elender als jetzt, und unter Eurer Pflege werde ich bald wieder frisch und rund sein, eine Zigeunerin hat mir in Genua prophezeit, daß ich ein Baum sei, der in jedem Sturm zerzaust würde, aber daß ich mich bald wieder mit Blüten und hellem Grün bekleiden würde.«
Ich fand sechs kleine dreckige Kinderchen vor, zerlumpt, barfuß, halbtot vor Hunger und Durst – es waren die Kinder meines Bruders.
Ich sah seine würdige Gemahlin, Donna Michela, ein Weib wie ein Kürassier, wenn sie ging, zitterte der Boden unter ihrem großen, schweren Fuß, sie war kurzsichtig und kniff die Augen zusammen, wenn sie mich ansah; stets hingen ihr die fetten Brüste aus dem geöffneten schmutzigen und zerrissenen Kleid heraus.
Ich fand zwei alte kindisch gewordene boshafte Nonnen vor, es waren die Schwestern meines armen verstorbenen Vaters.
Mehrere Tage hindurch quälte eine schreckliche Krankheit ein Glied meines Körpers, ich legte mich zu Bett und rief den Doktor Antonino di Vita, doch die Schmerzen wurden stärker und zerrissen mir das Herz. Als ich endlich auf dem Wege der Besserung war, erhielt der Bürgermeister unserer Stadt die niederschmetternde Nachricht, daß ich auf Anordnung der Militärbehörde sofort zurück geschickt werden solle, da ich irrtümlich auf dauernden Urlaub gegangen sei.
Dieser Befehl wurde mir mitgeteilt, meine Verzweiflung kannte keine Grenzen, mehrere Male setzte ich den kalten Lauf meines Revolvers an die Schläfe und war im Begriff mir den Kopf zu zerschmettern, aber ein anderer Gedanke kam dazwischen und sagte: Lebe und leide!
Ich schickte ein ärztliches Attest, daß ich nicht reisen könne und bekam vierzehn Tage Aufschub.