Nie bin ich ein Fresser gewesen, die Sparsamkeit hat meine Kehle und meinen Magen stets regiert, nie bin ich lecker gewesen – ob die Suppe zu viel oder zu wenig gesalzen war – stets habe ich sie mit gleichem Appetit verzehrt.
Ich muß immer noch daran denken, wie ich in Neapel im Gefängnis saß, und der Reis schlecht gekocht und schlecht gewürzt war; damals schüttete ich meine Portion in einen großen Napf, aus dem wir uns sonst zu waschen pflegten, belegte mir ein großes Stück Schwarzbrot damit und verzehrte es mit dem größten Appetit der Welt.
Meine schwache Feder möge ein Bild geben von den Familienmitgliedern, ihren Charakterzügen und inneren und äußeren Eigenschaften, damit man sich eine klare Vorstellung machen kann von den Personen, die in dieser schmutzigen Komödie auftreten.
Michele M…, Familienoberhaupt, Hauptperson meines Dramas.
Ein Mann in den Vierzigern, mit argwöhnischem, vorsichtigem, unruhigem Auge. Auf den ersten Blick sagt man: das ist ein Verräter, ein kleinlicher Sophist, eine niedrige Seele, ein Schwindler von Natur, ein Skeptiker, ein Haufen von Scheußlichkeit. Michela M…, aus Spilinga, die Gattin des erwähnten Michele, die Schülerin des berüchtigten Ruina, die Tochter des Schweinehändlers von Monte Poro, eine abgetakelte Fregatte, mit der Kraft eines hungrigen Riesen, regelmäßig gebaut, dick und fett; die Haare braun und struppig, die Stirn breit und flach, die Augen glanzlos; sie ist kurzsichtig und weitsichtig zu gleicher Zeit, sie blickt mit halbgeöffneten Augen und kneift sie zusammen, als ob sie den Blick in eine Ecke des Auges konzentrieren will; sie sieht über ihre ungeheure Nase nicht heraus, die Unterlippe verschwimmt mit dem Kinn zu einer Fettmasse. Die Ohren sind lang und breit, die Wangen fettig und rot gefleckt, die Backenknochen vorstehend; der Mund ist groß und krumm, die Oberlippe schmal, trocken, blutlos, die Zähne schwarz und schief, der Hals dick und stark und zwei starke Brüste hangen aus dem Schlitz des schmutzigen Hemdes und Kleides heraus, die immer offen stehen, denn sie sagt, sie ist zu fett; die Hand ist kurz und schmierig.
Was meint Ihr dazu? Und ich erzähle die Wahrheit, die reine Wahrheit, die mehr als einmal durch Zeugen erwiesen ist, und ich bin gewiß, ganz gewiß, daß wenn meine Erzählung nur einer der Bestien in die Hände fällt, die in diesem schmutzigen Drama eine Rolle spielen, sie trotz aller ihrer Bestialität nur sagen kann: Er erzählt nur die reine Wahrheit.
Fünf Kinder, zwei Knaben und drei Mädchen.
Francesco Antonio, der erste Sohn, ein verweichlichter Lümmel, der, wenn er geht, mit dem Kopf wackelt, als ob er einen Schlaganfall gehabt hat; er wiegt sich hin und her und wackelt mit den Hinterbacken, wie seine würdige Mutter Donna Michela: wie die Mutter, so der Sohn.
Das älteste Mädchen, jetzt siebenzehnjährig, mit denselben Grundsätzen wie ihre Mutter, die brave, würdige Donna Michela, geschwätzig und liederlich.
Die andern schmutzige und hungrige Murmeltiere.